Musik Reportagen
Jesus On Extasy - Tourtagebuch Teil 1
Von Oliver 20. Jun 2012, 12:17
Ich freue mich euch den ersten Teil des Jesus On Extasy Tourtagebuchs präsentieren zu können. Viel Spaß beim Lesen!
Tag 1
15.9.2011 Hamburg, Headcrash
Tourstart (Chai)
Alle Zeichen auf Grün. Nach extrem viel Vorbereitungen und Organisationschaos begibt sich unser aufgemotzter Kahn auf die Reise nach Hamburg. Viel zu früh steh ich am Bahnhof, um unseren „French Toast“ Alex, unsere Dame fürs Licht, einzusammeln. Erstmal Kaffee und eine Zigarette. In Haltern, am Studio unseres Sound-Engineers Stefan angekommen erstmalig mit dem neuen Gefährt und Backline Tetris spielen. Energy Drinks, Kaffee, Band und Crew. Alles da was nötig ist.
Im Bus herrscht eine gewisse Anspannung, aber durchweg gute Laune. Wir bewegen uns auf unsere erste Show mit neuem Line Up und neuen Songs zu. Keine Frage, DAS wird die Feuerprobe. Da wir es endlich mit JOE geschafft haben, eine pünktliche Band zu sein, haben wir noch Zeit den hiesigen Musikalienhändler der Hansestadt zu besuchen. Ein paar Batterien für die Funkstrecken, ein paar Ersatzkabel und ein echtes Hamburger kulinarisches Highlight nebenan: Asia Hung.
Kurze Zeit später. Ort: Headcrash. Erste Besichtigung der Location. Da läuft mir auch schon der gute alte Lord über den Weg. Lord Of The Lost, die Band, die wir auf deren Tour supporten kommen fast zeitgleich an. Chris und meine Wenigkeit hatten schon vor Jahren beschlossen irgendwann zusammen auf Tour zu gehen, nur hat das irgendwie nie funktioniert. Jetzt war es soweit. Musikalisch passen wir eh gut zusammen, man merkt schnell, es war eine gute Entscheidung. Beim Soundcheck wird mir auf einmal klar: „Heute ist es soweit.“
Ich war lange nicht mehr so nervös vor einer Show. Nach all dem Trennungsterror und der ganzen Arbeit am neuen Album hatte ich irgendwie verdrängt, wie das alles nach außen durchscheint. Puls auf 300.
Was tut man gegen Nervosität? Genau, Kaffee.
Kurz vor der Show. Der Laden voll bis an die Decke. Ich frage mich, was uns erwartet.
Das Intro läuft. Bandritual und ab dafür. Während der Show wird mir klar: DAS ist es.
Das Feedback der Leute gibt mir Recht. Als der letzte Ton aus den Boxen dröhnt geht eine zufriedene neue Band von der Bühne. Ein paar Kinderkrankheiten technischerseits, die noch ausgebügelt werden müssen stehen in keiner Relation zu dem was dieser Auftritt für uns war.
Nach dem gemeinsamen Abbau mit LOTL ab zur Aftershow-Party um die Ecke. Ich hab eine Menge nette Leute kennen gelernt, deren Namen ich auswendig lernen musste ? , die mir versicherten, sie waren zunächst skeptisch was das neue JOE angeht, sind aber jetzt voll und ganz überzeugt. Das sind Leute, die erstmal hören, schauen und sich DANN eine Meinung bilden. Insgesamt ein voller Erfolg für uns. Danke an alle, die uns auf unserem Weg supporten. Morgen geht´s nach Kiel, quasi um die Ecke. ROCK!
Tag 2
16.09.2011 Kiel, Pumpe
Unser "Törn" nach Kiel (Manja)
Hamburg ade! Am frühen Mittag hissen wir nach Snacks wie Hummel-Hummel-Eis, Asia Nudeln und Co. die Segel für Kiel.
Und siehe da, hier, in der "Pumpe", fühlt sich die frisch zusammen gewürfelte Crew von JOE 2.0
ganz in ihrem Element!
Zusammen mit den Mannen (respektive der Drummerin Any Wayst) von L.O.T.L. Steht der Bühnenaufbau für Tour-Tag 2 recht schnell.
Im großzügigen Backstage-Raum wird kurz durchgeschnauft, ein fabelhaftes Catering mit Käseplatte und Nudelpfanne genossen und dann geht´s ab on stage!
Es sind sogar einige Begeisterte von gestern aus Hamburg hierher gekommen! WOW!
Wir genießen unseren Gig und feiern später noch bei Auftritt von L.O.T.L. Feste mit.
Ein geiler zweiter Tourtag findet sein geiles -NEIN! Völlig beklopptes!!!- Ende im Tour-Bus nach Hause, denn die Crew gelüstet es nach eine Zwischenstopp in heimatlicher Luft und dem wohligen Busen des Ruhrpotts. Über die Rückfahrt kann man nicht viel sagen. Bis auf Stefan und Chai war bei allen Gruppenschlafen angesagt.
18.9.2011 Essen Original Festival (Chris)
Heimspiel
Nach zwei ziemlich anstrengenden Autofahrten nach Hamburg und von Kiel zurück nach Essen ist die Anfahrt heute mehr als entspannt. Wäre unser Equipment nicht gewesen, hätten wir auch laufen können, so wie Chai und ich es einen Tag vorher bereits getan haben, um die Athmosphäre des allseits bekannt-beliebten Essen Original schonmal in uns aufzunehmen. Heute ist Sonntag, dementsprechend leerer ist es. Als wir hinter der Bühne des LeoStore ankommen, findet gerade das Industrial Dance Battle statt. Außerordentlich cool, was einige der Teilnehmer da hinlegen! Hätte gerne
mehr gesehen, aber offensichtlich war unsere Titelstory im Zillo Magazin so beliebt, daß wir erstmal durch einige Autogrammjäger durchmüssen und zudem später noch ein Meet and Greet mit einem treuen Fan haben. An dieser Stelle einen schönen Gruß an David S.!
Nachdem nun ein paar Stunden vergangen sind und unser Bühnenumbau beginnt, steigt die Vorfreude merklich. Einige gute Freunde und “Wellwisher” sind gekommen, und das Wetter spielt auch mit. Also – Showtime!
Knapp 45 Minuten lang spielen wir also vor unserem Heimpublikum, und Gig Nummer 3 läuft für mich persönlich super ab. So langsam kommt sowas wie Routine auf, ich kann mich viel mehr auf den Spielspaß konzentrieren als die beiden Gigs zuvor – nur daß mir diesmal kälter ist, weil's draußen ist. Nur eine Frage geht mir hin und wieder durch den Kopf: Wissen eigentlich alle, die da unten stehen, daß wir keinen Sänger mehr haben? Und wo ist der eigentlich? Der war ja ganz niedlich, irgendwie... ;) (An dieser Stelle einen Gruß [leider unbekannterweise] an Dorian Deveraux und Ftanng!)
Tag 4
24.09.2011 Berlin, K17
Berlin-Marathon (Chris)
4:30 Uhr: Da sage noch mal einer, als Musiker könne man ausschlafen. Vor uns liegt eine lange Fahrt in die schöne Hauptstadt unseres Landes – Berlin. Was ist das schöne an einem Gig in Berlin? Richtig, tolle Leute, coole Stadt, geile Clubs...Wo ist der Nachteil? Wenn man nicht weiß, dass ausgerechnet an diesem Wochenende der jährliche Berlin-Marathon stattfindet und man zwei Stunden braucht, um von der einen Seite Berlins auf die andere Seite zu kommen...Die Berliner scheinen wohl doch ein wenig an ihrer Vergangenheit zu hängen.
Nachdem wir das K17 wie durch ein Wunder pünktlich erreicht haben (wir haben gefühlt 7 Stunden nach Berlin und 18 Jahre in Berlin gebraucht), treffen wir recht bald auf Lacrimas Profundere, die uns freundlicherweise als ihren Support eingeladen haben. Oli und Chai quatschen eine Runde über Vergangenes, gegenwärtiges und zukünftiges, allgemein herrscht trotz der knappen Zeit für Aufbau, Soundcheck und Nahrungsaufnahme eine entspannte und fröhliche Stimmung.
Bei Betreten unseres Backstage-Raumes entdeckt Chai auch seinen Kotzfleck von vor ein paar Jahren wieder! Sweet, sweet, bitter-sweet memories...Ich mag Backstage-Athmosphären, und in diesem Teppich steckten eine Menge davon!
Der Abend wird später, das K17 wird voller – Bei unserem 4. Auftritt ist die Nervosität mittlerweile nahezu vollständig in knisternde Vorfreude umgewandelt! 21 Uhr – Showtime! Let’s roll...
Kurz bevor das Intro läuft, kurzer Line-Check aller Instrumente...und mein Bass übersteuert volle Röhre. Denkbar schlechteste Zeit für technische Mängel. Die Fehlerquelle findet sich glücklicherweise noch während der ersten Minuten, die Ursachenforschung läuft, CSI JoE ermittelt...
45 Minuten Show vergehen wie im Flug. Unser French Toast freut sich über die Lichtanlage und nach den Resonanzen des Publikums kommen wir nur auf ein Fazit – sie macht ihren Job RICHTIG gut!
Lacrimas Profundere entern unmittelbar nach uns die Bühne und rocken Berlin endgültig in Grund und Boden – wer jetzt noch nicht genug hat, bleibt noch ein wenig und mischt sich unter die Leute in den einzelnen Hallen des K17. Nach ein paar schönen Gesprächen mit verschiedenen Leuten gehen wir zurück zu unserem Schlafraum mit dem athmosphärehaltigen Teppich und nehmen noch ein paar Stunden Schlaf mit, bevor wir morgen wieder die Berliner Marathon-Mauer überqueren müssen. Diesmal sind wir aber schlauer – wir fahren einfach komplett um Berlin herum und fühlen uns richtig schlau dabei! Als nächstes – Mainz...
Tag 5
08.10.11 Mainz, M8
(Chai)
Auf geht´s. Da Mainz offensichtlich nicht so weit weg ist, fahren wir ausnahmsweise erst um 9 los. Sehr kluge Entscheidung, wie sich später (nicht) herausstellen sollte. Backliner Anton erwartet mich bereits am Hbf der wunderschönen Ruhrmetropole Essen. Kurz darauf packen wir auch unseren French Toast Alex ein und fahren zu mir ins Studio, wo hoffentlich die anderen auf uns mit dem Bus warten. Doch Fehlanzeige. Also Kaffee und vor der Tagebuch-Kamera rumalbern. Endlich auf der Autobahn geht es endlich nach.... nein doch nicht. Stau vor Köln. Papa Stefan vernimmt am Steuer nach kurzer Zeit bereits das erste „Ich muss mal“ von einer der Rückbänke. Ignoranz ist eine Tugend. Doch als eine Kakophonie verschiedener „Ich muss mal“s nach vorne dröhnt, halten wir an einer Tanke, die keine Toilette hat. Dafür aber Nüsse. Es gibt halt Wichtigeres im Leben. Und zurück in den Stau. Diary-Kamera an und ab dafür.
Soundcheck JOE um 13h. Um 14:45 sind wir immer noch auf der Autobahn. Wie sich rausstellt ist das nicht weiter schlimm, da in der Venue eh alles drunter und drüber geht.
Schnell aufbauen, checken und... warten. In der Zwischenzeit gibt es leckeres Catering, danke noch mal. Bei mir gab es Parmesan mit Nudeln. Das rockt gewaltig. Alles Veggie, alles takko.
Draussen sehe ich ein bekanntes Gesicht. Die Hamburg Connection ist da. Die gute Melle aus Hamburg drückt mir ein Geschenk in die Hand. Da ich beim Sebi von LOTL in HH mein Handtuch vergessen hatte, wurde mir ein mehr als geiles schwarzes ST. Pauli Handtuch vermacht. Danke an dieser Stelle. Geil. Wieder warten. Also schnell noch auf dem Basketballplatz vor der Halle eine Runde Streetball gegen ein einheimisches Mädel namens „Gülli“. Keine Chance, der Chai. Ich rauche seit 3 Wochen nicht, davon merke ich nichts.
Langsam geht es der Showtime entgegen, die sich im Laufe des Abends 3 Mal verschoben hat. Endlich auf die Bühne, endlich losrocken. Keine Vorkommnisse. Nach der Show ging es mehr oder weniger wieder direkt auf unseren Lieblingsplatz. Die Autobahn. Ach doch nicht. Man hört nur Stefan rufen „Och dat is n Kreuz, da kann ich drehen.“ Und schon waren wir sonst wo nur nicht richtig. Auf der weiteren Rückfahrt ging es um Geister und deren Auswirkungen auf die Insassen. Also uns. Gegen halb 5 erreichen wir Essen. Mehr tot als lebendig. Fazit des Tages: Never turn your back on a French Toast. It might be our Light-Girl.
Wir können es kaum erwarten, wieder eine „an einem Stück“- Tour zu fahren, diese gestückelten Tourslots sind echt nervig. Aber wir lieben es... und wie!
Tag 6: 22.10. Herne, Pluto (Chai)
Back to the Pott. Heute geht es in das Weltkulturzentrum Herne.
ABER unserer heutigen Show liegt etwas Besonderes zu Grunde. Vor kurzem hat es den alteingesessenen Kultclub „Zwischenfall“ in Bochum erwischt. Ein Feuer zerstörte in kürzester Zeit Musikgeschichte. Eine sehr traurige Sache und ein schwerer Schlag in die Magengrube für jemanden wie mich, der seit der Grufti-Taufe in nur wenigen Stätten ein zu Hause finden konnte.
Selbstverständlich sind wir dabei, wenn wir zum Gedenken an diesen für die Szene heiligen Ort spielen können. Mit dabei Lord Of The Lost, wir sind ja eh zusammen auf Tour. Letztere werden wir zur Feier des Tages in unseren Studios unterbringen, wie es sich gehört.
In Herne angekommen erwartet uns eine gute Orga, nette Leute und LOTL stehen bereits beim Soundcheck auf der Bühne. Anschließend wird es eng. Technische Probleme bei unserem Check und die Uhr tickt. Fünf Minuten vor Einlass klappt alles.
Dieses kleine Festival ist ein Wiedersehen mit alten Bekannte. Die Jungs von „In Mitra Medusa Inri“ treffe ich im Backstage bei einer Palette „Rockstar-Energy“.
Antoneschka schmeisst heute unseren Merchstand. Vom Backliner zum Mercher. Geile Karriere. Ab auf die Bühne. Ich komme mir vor wie auf der Kirmes. Aus den Monitoren bräscht ein langes Echo mit Manjas Gesang. Hätte sie eine Textzeile wie „Einsteigen, wer hat noch nicht, wer will noch mal?“... Ich würe einsteigen.
Zwischen zwei Songs zuppelt unser kleines Sirenchen an meinem Arm und verweist auf Blut, viel Blut an meinem Unterarm. Die Leute freuts. Ich hab keine Ahnung was da passiert ist.
Pommesgabel in die Luft neben die Wunde gehalten und weiter wird gerockt.
Nach der Show reinigen der Wunde. Was kommt zum Vorschein? Fünf kerzengrade sehr tiefe und extrem parallele Kratzer in verschiedenen Dicken. Tja... Chris. Überführt. Sein Headlessbass muss mich volles Rohr am Unterarm erwischt haben. Das muss tierisch weh getan haben, dank einer coolen Show aber nichts von mitbekommen.
Am Merch verkauft Anton mittlerweile sogar Ärsche, nicht seinen, aber unser altes Merch-Maskottchen mit String. Ein schöner Abend geht zu Ende. Die Jungs von LOTL noch eingepackt und ab in die heute mal nicht so weit entfernte Heimat.
23.10.2011 Köln – Underground (Chris)
Legendär
Erste Anmerkung vorweg – ich liiiiiebe das Underground. Ich kann gar nicht sagen, wie viele geile Konzerte ich da schon gesehen und was für geile Gespräche mit anderen Bands ich dort schon geführt habe. Noch vor etwas mehr als einem Jahr hatte ich meine Lieblingsband Gojira dort gesehen, und jetzt stehe ich selber hier. Für Chai sieht das ganze nicht anders aus (O-Ton-Zitat:”Ich war auf dem gleichen Klo wie Devin Townsend!!!”). Und so stehen nun wir heute als Support-Band für Lord of the Lost auf dem Programm. Und ich weiß jetzt schon, daß es einfach nur gut werden KANN –
denn es gibt keine schlechten Gigs im Underground. Das ist sowas wie eine physikalische Konstante, zumindest in meinem Universum.
Vor dem Gig kommt uns Sandra von Underdawg-Promotion noch besuchen – auch hier wieder einen ganz lieben Gruß! Leider bleibt nur wenig Zeit zum Reden, da wir in ca. 20 Minuten auf die Bühne müssen. Und vor der Bühne ist es schon nahe an überfüllt! Also, nichts wie raus!
Sollte man meinen, daß der Job einer Support-Band bisweilen eher undankbar ist, beweist Köln uns wieder was anderes. Der Gig macht Spaß, und wir haben das Gefühl, die Leute gut auf die jetzt alles wegrockenden Lord of the Lost vorbereitet zu haben!
So endet also ein weiterer Gig in der für mich schönsten Location Kölns – nur ein kleiner Schritt für einen Menschen, doch ein großer Schritt für mich als Bassisten von Jesus on Extasy! Ich hoffe, wir kommen bald wieder!!!





