Musik Reportagen


Short & Sweet: Raki (Schmeisig)

Von Oliver 14. Jul 2012, 15:14

(c) Schmeisig; Auf dem Bild: Schmeisig

(c) Schmeisig; Auf dem Bild: Schmeisig

Wenn man bedenkt, dass ich Raki schon einmal (und weitere Male später auf Konzerten) während eines Interviews zu Zeiten der Wohlstandskinder begegnet bin (ebenso den Rest der damaligen Band), dann find ich persönlich dieses Interview umso interessanter. Denn Raki spielt bei Schmeisig Bass und stellte sich den zehn Fragen aus unserer bewährten Reihe "Short & Sweet". Viel Spaß dabei!

Was stimmt Dich meist froh und worüber könntest Du Dich aufregen?

Im Privaten ist es das Kichern meiner kleinen Tochter, das jede Verstimmung beiseite räumt, bezogen auf die Band ist es das live Auftreten, oder die
Vorfreude aufs jeweils nächste Konzert. Zeiten ohne Konzerte sind mir ein Graus. Garantiert verstimmt bin ich bei längerer Parkplatzsuche und ähnlich nervigen Autofahrten.

Was gehört für Dich zum Start in den Tag auf jeden Fall dazu?

Eigentlich gar nichts. Ich brauche weder Kaffee noch längere Rituale im Bad, sodass ich mir den Wecker auf kurz vor knapp stellen kann. Das hat sich vor allem auf Tour bewährt, wenn jede Minute Schlaf zählt.

Welche drei Alben haben Dich zur Musik gebracht?

Als ich ungefähr drei Jahre alt war, hat mir mein Vater 'Seven drunken nights' von den Dubliners auf Kassette überspielt - die Platte hat mich nachhaltig geprägt, musikalisch wie auch progammatisch... Ernsthaft identifiziert und infiziert habe ich mich dann zehn Jahre später mit 'The Razors Edge' von ACDC und 'Bis zum bitteren Ende' von den Hosen.

Meine Schwiegereltern sagen wahrscheinlich so etwas wie ... über mich, wünschenswert wäre aber ... ?

Ich bin selbstverständlich eine Vorzeigeschwiegersohn. Als meine Schwiegereltern allerdings erstmals davon Wind bekamen, dass ihre Tochter etwas mit einem von den Wohlstandskindern gehabt habe, recherchierten sie im Netz und stießen auf ein Bild vom Drummer Caddy, der mit einer Silvesterrakete im Arsch auf seinem Schlagzeug stand. Irgendetwas von der Panik, dass dies der neue Partner der Tochter sein könne, ist wahrscheinlich erhalten geblieben.

Die beste Ballade Deiner Meinung nach ist?

'Le vent nous portera' von Noir Desire. Natürlich dicht gefolgt von 'Reality' von Richard Sanderson aus 'La Boum' mit Sophie Marceau, mit der ich mit 13 sehr sehr gerne mal nen Klammerblues aufs Parkett gelegt hätte.

Bei welchem politischen Ereignis in letzter Zeit hättest Du Dir ein anderes Ergebnis gewünscht und warum?

Der Rio+20 Gipfel hat erwartungsgemäß lediglich einen nachhaltigen Niedergang von Naturressourcen besiegelt. Solange 'Wachstum' das goldene Kalb der Wirtschaftsordnung bleibt, werden weiterhin unwiederbringlich die Schätze dieser Welt zerstört. Hoffnung macht mir da bloß mein Freund Kai aus Dresden, der tatsächlich ein echter Regenwaldschützer ist. Davon überzeugen kann man sich hier: http://www.wilderness-international.org/

Hast Du außergewöhnliche Hobbys?

Basshälse ablecken. Schmeckt schön salzig, etwas erdig im Abgang, ähnlich Barrique-gereiftem Aroma.

Hast Du einen Traum, den Du Dir nicht mehr erfüllen kannst und wieso?

Früher wollte ich immer die gleiche Frisur wie Jason Newsted von Metallica haben - also eine Metalmähne mit 'Undercut' - ein weiterer Versuch würde voraussichtlich recht albern enden.

Bitte erzähl unseren Lesern etwas über das aktuelle Album.

Es ist vor allem bemerkenswert, dass diese Platte endlich realisiert wurde! Bei Schmeisig dauert alles fünf Mal länger, als grundsätzlich nötig - aber die Zeitkontingente von uns allen schrumpfen immer weiter, da wir ja alle extrem erfolgreiche Businessmen, Ehemänner und Papas sind. Recht überraschend für mich war, mit welcher Akribie meine Bandkollegen ans Werk gingen - da man bei Schmeisig ja doch oft Fünfe grade sein lässt, wenn's um Perfektion geht, dafür ist im Bandkontext das Biertrinken einfach zu wichtig. Für mich war es nett, dass wir die Platte mit Tobias (ehemals Sänger der Wohlstandskinder) als Produzenten aufgenommen haben, dadurch war die Situation im Studio eigentlich wie immer. Mit dem Ergebnis sind wir alle sehr zufrieden - wir haben auch lange daran herum gewerkelt, bis es so weit war, weil uns klar war, dass wir nicht sehr bald wieder die Zeit finden, um ein Album aufzunehmen. Die Reaktionen sind bislang recht erfreulich, ich hoffe, dass sich schöne neue Auftrittsgelegenheiten daraus ergeben.

Wie sehen eure Zukunftspläne aus?

Wir sind bereits am Limit dessen, was wir an Zeit in die Band investieren können, daher wollen wir von allem nicht mehr, aber doch weiter das Niveau erhöhen: Also größere Konzerte spielen, stärkeres Bier trinken und irrwitzigere Cover spielen. Hoffentlich schaffen wir es noch einmal, mit Mann und Maus einen 'Tourlaub' auf die Beine zu stellen, also mit Band, Familien und Freunden durch Europa zu touren und dabei gleichzeitig Urlaub zu machen, wie 2010 in Österreich und Kroatien. Das Konzept sollte auf jeden Fall Schule machen! Wir hoffen außerdem auf weitere Festivals neben den bewährten Ruhrpott-Sausen, denn die sind die Sahnehäubchen im Tourleben!

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