Literatur Kritiken
Comic Kritik: Berlin von Marvano
Von Karsten Kloß 13. Sep 2012, 18:00

Die Deutsche Hauptstadt ist schon durch so einige Höhen und Tiefen gegangen. Autor und Künstler Marvano eröffnet dem Leser mit seinem Band „Berlin" drei Geschichten aus völlig unterschiedlichen Epochen, die nicht unbedingt in Berlin spielen, aber immer etwas mit der Stadt zu tun haben.
In der ersten Geschichte „Die sieben Zwerge" erhält eine Frau im 1993 eine Stoffpuppe wieder, welche sie als Kind in den letzten Jahren des zweiten Weltkrieges einem Bomberpiloten als Glücksbringer gegeben hatte. Mit der Puppe erhält sie einen Brief in dem der Pilot genau beschreibt, was er in seinem sieben Mann starken Bomber S-Snowwhite während der Angriffe auf Berlin gefühlt hat und wie sein Umfeld durch diese Angriffe beeinflusst wurde.
In der zweiten Geschichte „Reinhard der Fuchs" versucht 1948 ein Flieger der Luftbrücke geheime Dokumente aus Nachkriegsberlin zu schmuggeln. Während seiner Zeit in Westberlin trifft Roy Stuart, der letzte überlebende Pilot der S-Snowwhite, auf die junge Helena, die Roy mit ihrem Halbbruder bekannt macht. Dieser hat noch altes Nazigold und bietet es Roy für eine sichere Passage in den Westen an. Der Versuchung kann Roy nicht widerstehen und versucht nun Helena und ihren Halbbruder in den Westen Deutschlands zu schmuggeln.
Die dritte Geschichte „Zwei Königskinder" führt den Sohn eines amerikanischen Offiziers nach Frankreich. Dort hört er über ein Tonband eine weitere Geschichte über Roy und Helena aus dem Jahre 1961. Roy war erneut in Berlin um Flüchtlinge aus Ost-Berlin in den Westen Deutschlands zu transportieren. Dort trifft er erneut auf Helena und ihre Romanze beginnt von vorne. Doch dies ist nicht der einzige Grund, für den Ausflug nach Frankreich. Dort sind auch zum letzten Mal die Goldbarren von Helenas Halbbruder gesehen worden.
Mit seinem Dreiteiler Berlin schafft Autor und Zeichner Marvano ein Kunstwerk, welches durch verschiedene Weisen zu beeindrucken mag. Aus völlig unterschiedlichen Erzählperspektiven berichtet er über drei verschiedene Abschnitte in der Geschichte Berlins. Die erste Geschichte wird durch einen Brief berichtet und ist eine Geschichte innerhalb der Geschichte, was ein wirklich schönes Stilmittel ist. Die zweite Geschichte wird aus der Sicht des Piloten Roy Stuart erzählt, wobei hier immer wieder historische Einschübe geboten werden, die von der Geschichte Berlins, bzw. Deutschlands berichten. In der letzten Geschichte des Bandes wird die Geschichte über Tonbänder erzählt, welche ein amerikanischer Offizier für seinen Sohn aufgenommen hatte. Auch hier nutzt Marvano wieder das Stilmittel der Geschichte innerhalb einer Geschichte.
Mit der vorliegenden Gesamtausgabe „Berlin" hat man alle drei Bände der Geschichte in einem vereint. Die Zeichnungen sind manchmal nicht ganz so detailreich – aber immer noch beeindruckend. Dafür ist die Geschichte mehr als nur durchdacht und auch sehr genau und gut erzählt. Alle drei Bände hängen irgendwie zusammen, auch wenn es auf den ersten Blick gar nicht so scheint. Marvano ist hier wirklich ein Meisterwerk gelungen, in welchem er die Geschichte der deutschen Hauptstadt an menschliche Schicksale bindet.
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()












