Literatur Kritiken


Buchkritik Das Lied des Todes von Axel S. Meyer

Von Karsten Kloß 28. Nov 2012, 03:03

Axel S. Meyer lässt seinen Roman „Das Lied des Todes" zum Ende des 1. Jahrtausends spielen. Es beginnt in der großen Schlacht im Jahr 955, in der der Sachsenkönig Otto die Ungarn vernichtend schlagen konnte. Nur knapp konnte er dabei einem Attentat entgehen. Und nun beginnt die Erzählung von drei verschiedenen Handlungssträngen, die immer wieder miteinander verwoben werden. Da ist einmal der grausame Graf Thankmar, der von seinem König quasi strafversetzt worden ist in die dänische Mark. Er tyrannisiert seine Untertanen und presst ihnen endlose Steuern ab. Hilfe bekommt er vom fanatischen Bischof Poppo, der im Kampf gegen die Heiden gerne auch Folterungen und „Gottesproben" zu Hilfe nimmt. Thankmar schart eine Truppe Soldaten mit roten Umhängen um sich, die als sogenannte „Blutmäntel" Angst und Schrecken verbreiten. Als große Aufgabe haben es sich die beiden gesetzt die Seherin Velva auszulöschen, die weiter den alten Göttern huldigt und die Bevölkerung gegen die Besatzer aufbringt. Noch bevor sie in allerletzter Minute in die Wälder fliehen kann, verflucht sie Thankmar mit dem „Lied des Todes", das Thankmar in seinen Träumen so verfolgt, dass er fast wahnsinnig wird. Velva flüchtet mit ihren drei Kindern in den Wald, wo sie ums nackte Überleben kämpfen müssen und in ständiger Angst leben, doch noch von den Blutmänteln gefasst zu werden. Der dritte Handlungsstrang beschreibt den Wikinger Hakon, der auf Rache sinnt, nachdem Thankmar bei einem Überfall auf seine Stadt seine Frau ermordet hat. Um die Schande abzuwenden, seine Familie nicht beschützt haben zu können, verfolgt er Thankmar und versucht nun seinerseits den Grafen zu ermorden. Erst dann kann er seinem Vater wieder unter die Augen treten.

Im Verlauf des Romans werden zunächst immer wieder die einzelnen Handlungsstränge beschrieben, was zum Teil ein wenig Verwirrung stiftet, in welcher Erzählung man sich gerade befindet. Zunehmend verweben sich aber die Handlungen miteinander und es entwickelt sich ein spannendes Netz an Abenteuern, Intrigen, blutigen Zweikämpfen und tiefen Freundschaften. Dies hat mich zunehmend so gefesselt, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte. Die Schicksale der jeweiligen Protagonisten wurden so nah beschrieben, dass man mit jeder Wendung mitfieberte. Im ganzen ging es mehr um die zwischenmenschlichen Wechselbeziehungen und das harte Leben im 1. Jahrtausend als um endlose Kampf- oder Kriegshandlungen. Auch wenn das Schicksal Europas durchaus in der Waagschale lag (zeitlich liegen wir vor der geplanten Krönung Ottos zum römisch-deutschen Kaiser), sind es eher die Intrigen im Hintergrund, die dieses Buch faszinierend machen. Die Hauptcharaktere entwickeln sich im Laufe des Buches so stark, dass man leicht Sympathien bzw. Antipathie entwickelt.

Insgesamt ein tolles und spannendes sowie abwechslungsreiches Abenteuerbuch mit vielen überraschenden Wendungen, das die Zeit und Welt der Nordmänner nicht nur als kämpfende Wikinger zeigt. Mir hat es nach einem etwas schleppenden Anfang wirklich sehr gut gefallen.

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Das Lied des Todes

Buch Information

Autor: Axel S. Meyer
Erscheinungsdatum: 2012-11-27
Verlag: rororo
Unverbindliche Preisempfehlung: EUR 9,99

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