Musik Reportagen


Interview: Rebellion

Von Michael Kühnemann 3. Dez 2012, 20:11

Die deutsche Metalband Rebellion feierte vor kurzem mit ihrem sechsten Album "Arminius: Furor Teutonicus" eine grandiose Rückkehr. Grund genug sich beim Konzert im rheinländischen Oberhausen mal mit dem symphatischen Quintett zusammenzusetzen und ein paar Informationen zu ergattern.

M&C: Hallo Jungs. Gehen wir doch zu Begin noch mal kurz in die Vergangenheit. Ende 2010 haben euch mit Uwe, Simone und Gerd gleich drei Mitglieder verlassen, was dann zu einem kurzzeitigen Split geführt hat. Was hat euch denn am Ende bewogen doch noch weiterzumachen?

Göttlich: Es war damals so, dass wir nach der Auflösung unheimlich viele E-Mails bekommen haben. Teilweise aus Ländern von denen wir nicht einmal wussten das Rebellion dort bekannt sind. Ich habe diese Mails alle mit Begeisterung gelesen und auch an den Micha (Seifert, Gesang) weitergeleitet. Dieser tolle Zuspruch seitens der Fans war dann ausschlaggebend dafür, dass wir weitergemacht haben.

M&C: Wie ging es dann weiter? Habt ihr damals schon zu zweit an dem neuen Album gearbeitet?

Göttlich: Nein, wir haben erst einmal nach neuen Musikern gesucht. Das war ein sehr zeitaufwändiger Prozess, weil wir die Band so strukturieren wollten, dass wir in der Lage sind regelmäßig zu proben. Das Problem hierbei war, dass wir dadurch gezwungen waren in der Gegend um Mittelhessen zu suchen und die ist nicht unbedingt als der Nabel der Musikerwelt bekannt. Den Oliver (Geibig, Gitarre) habe ich dann als erstes gefragt. Er ist Toningenieur und wir kennen uns seit über 20 Jahren, sodass ich wusste mit ihm kann ich auch in schwierigen Situationen arbeiten. Matthias (Karle, Drums) haben wir dann aus den Leuten ausgesucht die sich bei uns beworben haben. Wir hatten mehrere Kandidaten aus unserer Region und von denen war er einfach der Beste. Was den zweiten Gitarristen angeht, hatte ich Stephan (Karut, Gitarre) gar nicht so auf dem Schirm. Er ist ebenfalls ein alter Kumpel von mir und ein super Gitarrist, aber kommt halt nicht aus der Metalecke. Zudem ist es immer schwer zwei Gitarristen zu finden die zusammen passen und gut zusammen klingen. Aber bei Olli und Stephan hat es direkt von Anfang an gepasst.
Als nächstes mussten wir den neuen dann beibringen was Rebellion überhaupt ist und wie das ganze klingen soll. Wir haben dann also ein paar Gigs klargemacht um ihnen die alten Songs nahe zu bringen. Als es dann an das Songwriting ging, hatten die drei dann eine klare Vorstellung wie das ganze klingen soll.

M&C: Vollkommen verständlich. Denn wenn die Leute eine Rebellion Platte kaufen, haben sie ja eine gewisse Erwartungshaltung.

Göttlich: Richtig. Ich kann auch nix anderes. Das ist die Art von Musik die ich machen will und die ich spielen will. Natürlich hört man raus dass wir zwei neue Gitarristen haben, das darf und soll man auch, aber trotzdem soll es am Ende nach Rebellion klingen. Es ist ja im Grunde so, das Micha und ich beim Songwriting das letzte Wort haben, aber es hat in dem Sinne nie Probleme gegeben und wir haben das als Band ausgearbeitet.

M&C: Das neue Album ist ja wieder ein Konzeptalbum und handelt von dem Cherusker Arminius, der die Römer in der bekannten Varusschlacht besiegte. Stand das Konzept schon bevor ihr an dem Album gearbeitet habt oder kam das im Laufe des Entstehungsprozesses?

Göttlich: Die Idee dazu hatte ich schon zur Zeit der Wikinger Trilogy. Denn wenn du über germanische Völker schreibst, und das sind die Wikinger zweifellos, kommst du um Arminius nicht herum. Richtig ausgearbeitet haben wir das Konzept aber erst als wir mit dem Songwriting begonnen haben. Ich habe mich dann während des Songwritings in die Geschichte eingelesen und den anderen dann gesagt was ich haben möchte. Am Ende haben wir dann aus einem Pool von Songs die ausgesucht, die wir dann am Ende auf Album gepackt haben.

M&C: Inwiefern sah es dann mit der Arbeitsteilung aus? Wie waren die anderen in den Entstehungsprozess eingebunden nachdem du ihnen das Konzept vorgegeben hast?

Göttlich: In die konzeptionelle Arbeit war nur Micha eingebunden, weil wir beide für die Texte verantwortlich sind. Den anderen habe ich dann eine Vorgabe gegeben wie sich die Songs anhören sollen und die haben das dann ausgearbeitet. Am Ende haben wir dann die Texte auf die jeweiligen Songs gelegt, wobei Micha und ich da jeweils einen Teil übernommen haben.

M&C: Es ist aber schon so, dass ihr zu Anfang eine klare Vorstellung habt, worum es in den einzelnen Songs gehen soll?

Göttlich: Ja, natürlich. Wenn du einen Song wie „Ala Germanica“ hast in dem es um eine Schlacht geht, dann muss das ein harter Song sein in dem Song quasi „das Blut spritzt“. Und so hat Olli dann auch einen Song geschrieben in dem das genau so ist.

Geibig: Es war halt so, dass entweder der Stephan oder ich eine Idee hatten. Teilweise haben wir auch zusammen was ausgearbeitet. Wir haben den anderen die Ideen dann im Proberaum vorgespielt und die Sachen teilweise auseinander genommen und umarrangiert. Wir wollten die Songs halt als Band zusammen ausarbeiten und nicht dass einer sagt:“So, das ist der Song, so wird er gespielt“. Deswegen klingt auch die CD so wie sie klingt. Für mich klingen heute viele Metalalben wie zusammengebastelt und da kann ich gar nicht drauf. Wir wollten es halt so wie früher machen und das Album als Band einspielen.

M&C: Stephan, gerade hieß es du kommst nicht aus dem klassischen Metalbereich. Inwiefern war es für dich schwer, sich da einzuarbeiten?

Karut: Also Metal ist für mich nicht komplett fremd. Ich höre privat auch Metal, aber eher Sachen wie Katatonia oder Paradise Lost. Sprich eher langsame Sachen, von daher war ich die schnellen Sachen nicht so gewohnt. Ich spiele ja auch noch in anderen Bands die eher in die Richtung Alternative Rock gehen und das ist ja vom Metal nicht so weit entfernt. Ich wusste aber durchaus worum es geht, denn ich kannte Rebellion ja auch schon vorher.

M&C: Auf dem Album finden sich auch sehr viele modernere Einflüsse. War das so geplant?

Göttlich: Viele der neuen Einflüsse kommen da tatsächlich vom Stephan. Denn er hat eine etwas andere Herangehensweise als das früher bei uns der Fall war. Er macht zum Beispiel viele Jamsessions mit uns im Proberaum und da kommen dann teilweise Ideen zum Vorschein die es so vorher nicht gegeben hat.

M&C: Ihr habt das Album, wie immer, selbst produziert. Ist es dabei so, dass ihr einfach am besten wisst wie es am Ende klingen soll oder woran liegt es dass ihr kein Interesse an fremden Produzenten habt?

Geibig: Nein, ich bin ja seit 15 Jahren Toningenieur und Produzent. Und ich bin halt einfach gut und billig (lacht). Außerdem sind wir inzwischen alt genug um zu wissen was wir wollen. Und da ich in der Vergangenheit auch schon mit anderen Bands zusammengearbeitet habe, weiß ich auch was ich bei Rebellion anders machen muss, weil bei uns jeder sein Ego zurückstellen kann. Ich muss nicht meine Gitarre so laut drehen dass man das Schlagzeug nicht mehr hört. Das war bei uns sehr easy.

Karut: Ein Vorteil ist auch, dass der Olli nicht nur Metalbands produziert. Und so kommen auch beim produzieren wieder neue Einflüsse hinzu. So klingt das Album am Ende auch rockiger und nicht wie eine reine Metalplatte.

Geibig: Ich bin ja auch kein klassischer Metalgitarrist wie es der Uwe Lulis (Oliver Geibigs Vorgänger) war. Ich habe ja noch eine Band die eher Classic Rock im Stile von 1970 bis 1978 spielt. Das ist zwar auch harte Musik, aber eben kein Metal.

M&C: Ihr seit im Moment als Headliner auf Clubtour. Was ist euch persönlich lieber? Als Headliner auf einer kleinen Tour oder währt ihr lieber als Opener für einen größere Band unterwegs?

Seifert: Das ist schwer zu sagen. Wir haben ja in der Vergangenheit auch schon als Support gespielt, bei Running Wild oder U.D.O. zum Beispiel. Wenn du damit allerdings weitermachst, kommst du irgendwann aus diesem Status als reine Supportband nicht mehr heraus und so haben wir versucht eigene Headliner Touren zu organisieren. Der Vorteil hierbei ist einfach dass du längere Spielzeiten hast und damit schneller herausfindest wie du am besten rüberkommst. Vielen Bands macht das auch Spaß mit ´nem größeren Act auf Tour zu sein und vielleicht vor dreimal so vielen Leuten zu spielen wie sonst. Aber ich finde die Konstellation auf dieser Tour sehr interessant und es macht uns einfach Spaß mal aus der kompletten Discographie schöpfen zu können und alles zu geben.

M&C: Ihr habt in 10 Jahren satte 6 Alben auf sehr hohem qualitativen Level veröffentlicht. Wenn anderen Bands so etwas machen, kann man im Schnitt 3 von den 6 Alben vergessen. Wie macht ihr so was?

Seifert: Das liegt vor allem daran, dass wir nie pausenlos auf Tour waren, weil wir alle unsere normalen Berufe haben. Tommi ist früher zum Beispiel tagsüber als Lehrer tätig gewesen und Abends mit dem Wohnmobil zu den Konzerten gekommen. Uns ist halt wichtig, dass wir die Sachen gut planen und vereinbaren können. Oft springt dabei halt nur ein Gig am Wochenende raus, aber es muss halt passen.

M&C: Planen ist ein gutes Stichwort. Wie sieht die Planung für die Zukunft bei Rebellion aus?

Göttlich: Also wir werden nächstes Jahr definitiv ein paar Festivals spielen und würden auch gerne noch mal in Süddeutschland auftreten. Danach werden wir dann auch wohl schon mit den Arbeiten am neuen Album anfangen. Wir haben während der Produktion von „Arminius“ im organisatorischen Bereich einige Fehler gemacht, sodass wir einfach viel Zeit verloren haben. Und du hast ja auch noch Beruf und Familie, die wollen ja nicht vernachlässigt werden. Wenn wir jetzt im Dezember die letzten Shows gespielt haben, machen wir mal 4 Wochen Pause und dann starten wir wieder los.

M&C: Gibt es noch was, dass ihr gerne loswerden möchtet?

Seifert: Wir sind halt sehr gespannt, wie die Leute auf das neue Album reagieren. Ob sie es positiv aufnehmen und uns das vor allem auch zeigen. Den das gibt dir als Musiker den Antrieb mit neuem Elan an das nächste Album zu gehen.

M&C: Wie ist denn sie Reaktion seitens der Presse auf das Album?

Geibig: Sehr positiv. Es gab eine oder zwei nicht so positive Kritiken, aber ich habe doch mit weitaus mehr negativem gerechnet.

Göttlich: Ich glaube wir haben auch eine andere Motivation als manche Bands. Ich bin schon froh wenn ich mit den Einnahmen von einem Album das nächste bezahlen kann. Für uns ist wichtig Musik zu machen und nach dem Konzert mit den Fans zu reden und Spaß zu haben.

M&C: Also Musik machen, um des Musik machens willen?

Göttlich: & Geibig: Genau!

M&C: Tolles Schlusswort. Vielen Dank und alles Gute.

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