Literatur Kritiken


Hörbuch Kritik: Er ist wieder da von Timur Vermes

Von Karsten Kloß 17. Dez 2012, 00:13

Berlin im Jahre 2011. In der Nähe eines Fußballplatzes wacht ein völlig verwirrter Adolf Hitler auf, der von den nahen Jugendlichen als Opfer bezeichnet wird. Überfordert mit den Neuheiten der Technik wandert Hitler durch Berlin, bis er an einem Kiosk stehenbleibt und vom Kioskbesitzer aufgenommen. Wird. Dieser denkt, dass dieser Hitler ein Schauspieler ist, der für seine nächste große Rolle probt und von seiner Frau aus der gemeinsamen Wohnung geworfen wurde. Der Kioskbesitzer ist begeistert von Hitlers „schauspielerischen Fähigkeiten" und da er viele Fernsehproduzenten kennt, verspricht er Hitler seine Beziehungen spielen zu lassen und ihn in einer Fernsehsendung unterzubringen. Da Adolf Hitler die letzten 60 Jahre verschwunden war und auch seinen Selbstmord überlebt zu haben scheint, holt er dieses geschichtliche Wissen innerhalb einer Nacht durch die Zeitschriften und Magazine im Kiosk nach. Kurz darauf hat Hitler auch seinen ersten Vorsprechtermin, bei dem er die Produzenten sofort überzeugen kann und eine kleine Rolle in einer Comedyshow erhält. Durch seine eigene Art verdrängt er den Showmaster von seinem Thron und erhält eine eigene Sendung. Eigentlich macht und vertritt er nichts anderes als er schon in der Vergangenheit gemacht hat, doch da die Leute ihn nur als Comedian ansehen, wird Hitler bald zum Publikumsliebling…

Mit „Er ist wieder da" gelingt Timur Vermes ein wirklich grandioses Stück Satire, die einen mehr als einmal zum Nachdenken bringt. Im Prinzip ist die ganze Idee schon sehr gut ausgearbeitet worden. Adolf Hitler taucht plötzlich in Berlin auf und wird durch seine Art ganz schnell zu einem Medienstar, da ihn niemand mehr wirklich ernst nimmt. Durch ein geschicktes Spiel mit der Figur und auch mit den umliegenden Figuren, baut Vermes um seinen Adolf Hitler ein neues Imperium auf, welches nicht auf Angst und Schrecken aufgebaut ist, sondern auf einer ganz anderen Propagandaschiene. Das deutsche Fernsehen macht es möglich, dass aus Hitler plötzlich ein Medienstar wird, der von vielen Menschen gefeiert wird. Vermes kritisiert hier nicht nur versteckt das Sendeverhalten der Fernsehsender, die alles Senden würden, wenn es nur die richtige Einschaltquote gibt. Wir Konsumenten schauen uns dieses natürlich alles an und feiern dieses auch noch in bestimmten Bereichen, auch wenn die Sendung oder das Programm eigentlich gegen den guten Geschmack verstößt.

Für die Hörbuchversion von „Er ist wieder da" konnte Lübbe Audio den bekannten Schauspieler Christoph Maria Herbst engagieren, der schon in seiner Rolle als Butler Hatler in dem Film „Der Wixxer" glänzen konnte. Kein Wunder also, dass er Adolf Hitler in der für Hitler typischen Sprechweise und Intonation spricht. Für die anderen Rollen der Geschichte nutz er seine normale Stimme, bzw. einen Berliner Dialekt, so dass dieses Hörbuch eher wie ein Hörspiel, als ein Hörbuch wirkt.

„Er ist wieder da" hat mir persönlich gut gefallen und mich auch zum Nachdenken angeregt. Natürlich habe ich auch an einigen Stellen herzhaft lachen können, während einige Szenen drastisch in die Länge gezogen wurden und ein wenig langatmig erschienen. „Er ist wieder da" ist kein Hörbuch das man auf die leichte Schulter nehmen sollte, sondern eine Geschichte, über die man wirklich nachdenken muss. Falls so etwas wirklich passieren könnte wie eine unvorhergesehene Zeitreise, wäre eine Karriere wie sie die Hitler Figur von Vermes hier macht wirklich möglich?

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Er ist wieder da

Buch Information

Autor: Timur Vermes
Erscheinungsdatum: 2012-12-16
Format: Audiobook
Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Audio)
Unverbindliche Preisempfehlung: EUR 14,99

Detail Informationen zu diesem Buch

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