Musik Reportagen


Interview: Molllust

Von Andre Friebel 27. Dez 2012, 22:58

Zum Jahresende hier noch ein Interview mit der Opera Band Molllust. Nach ihrem Album "Schuld" gibt es hier weitere Infos zu der Band und vieles mehr. 

Hallo Molllust, ich hoffe es geht euch gut?

Hallo Andre! Ja, wir sind alle wohlauf und schmieden bereits eifrig Pläne für das neue Jahr.

Wie kam es zur Bandgründung und wieso war die Band erst über ein Jahr später komplett?

Die Idee, eine solche Formation aufzubauen, hatte ich schon als Jugendliche. Ursprünglich habe ich komplett klassische Musik gemacht. Schulfreunde zeigten mir dann Bands wie Therion und Nightwish. Ich war sofort fasziniert. Doch zugleich reifte auch eine neue Idee in meinem Kopf heran – die Klassik hatte meiner Meinung nach noch mehr Potential und ich suchte nach Bands, die die ganzen darin schlummernden Nuancen voll ausschöpften. Ich habe nichts gefunden, was meiner Vision entsprach – also gründete ich, nach einigen Jahren Stimmtraining, molllust. Dass sich die Musikersuche über so einen langen Zeitraum erstreckte, lag an meinem Anspruch. Ich wollte Musiker, mit denen ich professionell arbeiten kann – und die gleichzeitig dazu bereit waren, so ein Projekt von Grund auf mit aufzubauen. Das bedeutet zunächst ohne Bezahlung zu proben und aufzutreten, ohne Garantie auf Erfolg. Und ich hatte ja nicht mehr als ein paar Notenblätter um Überzeugungsarbeit zu leisten. Jetzt, mit guten Studioaufnahmen im Rücken, wäre es viel einfacher, Musiker für das Projekt zu begeistern.

Als ihr am 16.6.2012 die BachSpiele 2012 gewonnen habt, was ging da in euch vor, wie habt ihr euch gefühlt?

Es war einfach großartig, auch wenn ich einen Moment brauchte, um das gefühlsmäßig zu realisieren. Die Kulisse des Hauptbahnhofs war einfach überwältigend. Man konnte schon während des Auftritts so viel in den Gesichtern der Zuhörer und natürlich der Juroren lesen – das war unglaublich beeindruckend und hat mir wahnsinnig viel Kraft gegeben. In dem Moment, als die Entscheidung verkündet wurde, kam es mir wie die logische Konsequenz aus dem vor, was sich während der Aufführung gefühlsmäßig entwickelt hat. Erst später habe ich mich losgelöst von der Situation auch über die nackte Tatsache, den Sieg an sich, wirklich freuen können. Meine Bandmitglieder haben mit mir um die Wette gestrahlt. Es ist unser bislang größter Erfolg in der Bandgeschichte und daher sind wir allesamt sehr stolz darauf.

Euer erstes Album kam ja am 22.9.2012 heraus. Wie lange habt ihr insgesamt daran gearbeitet?

An der reinen Einspielung etwa einen Monat, dazu kam nochmal etwa die gleiche Zeit Mix und Mastering. Das hat sich allerdings über einen längeren Zeitraum hinweg verteilt, da das Echolux-Studio und vor allem Andy Schmidt als Produzent hier sehr beliebt ist und er dementsprechend auch einen recht prall gefüllten Terminkalender hat. Im Vorfeld haben wir natürlich wesentlich länger bereits Vorbereitungen getroffen – die Stücke wollten schließlich komponiert und einstudiert werden. Das hat sich, verzögert durch die zu Beginn lückenhafte Besetzung, über ein Jahr hinweg hingezogen.

Welche Bedeutung haben die Texte für euch?

Für mich müssen Musik und Text immer eine Einheit bilden. Meist sind es reale Erlebnisse, die ich in einen anderen Kontext gebettet und versteckt habe. In Sternennacht sprechen wir Mobbingopfern Mut zu, Kartenhaus ist geballter Frust, als es mal so überhaupt gar nicht voran gehen wollte, Spiegelsee beschäftigt sich mit dem Titel der CD – mit Schuld. Oberflächlich betrachtet handeln viele unserer Stücke in irgendeiner Form um Liebe, darunter liegt aber meist eine Auseinandersetzung mit dem Menschsein an sich. Für mich sind die Texte also oft auch gemeinsam mit der Musik ein Weg, Geschehnisse zu verarbeiten und neue Kraft zu schöpfen.

Was hat es mit den Arien aus der Matthäus Passion auf sich? Selbiges gilt für das D-Moll Präludium und das Ave Maria. Erzählt doch mal wenig darüber.

Das ist unser Spezialprogramm für die BachSpiele. Um auch in der Klassikszene Fuß zu fassen, haben wir die Gelegenheit genutzt und an dem Wettbewerb teilgenommen. Dafür musste man sich auf innovative und moderne Weise mit dem Schaffen Bachs auseinandersetzen – also habe ich vier seiner Werke für unsere Band umarrangiert und drastisch modernisiert. Bei uns gibt es dann eben auch mal ein Metalriff in der Passion. Da das Programm so gut ankam und wir damit, wie oben schon erwähnt, zum Sieger gekürt wurden, beschlossen wir, es im Studio einzuspielen. Das Ergebnis wird im Frühjahr nächsten Jahres auf CD erscheinen.

Habt ihr ein persönliches Lieblingslied auf dem Album, was euch besonders Freude bereitet es zu spielen?

Das ist wirklich schwer zu sagen – und auch von Bandmitglied zu Bandmitglied verschieden. Besonders Spaß zum Abrocken macht der Alptraum. Wir Mädels spielen extrem gerne den Spiegelsee, weil wir uns da aus klassischer Perspektive ziemlich austoben können. Aber auf einen Lieblingssong können wir uns nicht so richtig einigen.

Janika, du hast keine Gesangsausbildung als Sopran Sängerin gemacht, hast du da jemals dran gedacht oder war für dich vom Gefühl her immer klar, das ein Lehrer völlig ausreicht?

Ob man seine Gesangsausbildung nun privat oder in der Hochschule durchzieht, macht von der Sache her erst einmal nicht den großen Unterschied. In beiden Fällen ist man auf einen guten Lehrer angewiesen, um voranzukommen – und man muss natürlich entsprechend üben. Die Hochschule hat den Vorteil, dass man mehr Kontakte zu anderen Musikern hat und noch einiges an Hintergrundwissen vermittelt bekommt, insbesondere in der Musiktheorie. Nachteilig ist, dass man sich nicht unbedingt seinen Gesangsprofessor aussuchen kann. Als sich herauskristallisierte, was so in meiner Stimme steckt, habe ich kurz mit dem Gedanken gespielt, an eine Hochschule zu gehen. Ich war aber bereits in meinem nichtmusikalischen Studium ziemlich weit fortgeschritten und wollte es nicht abbrechen. Danach dann aber mit der Hochschule anzufangen – das war mir zu spät und ich fühlte mich bei meinen beiden Gesangslehrern in guten Händen.

Frank hast du eine Gesangsausbildung absolviert?

In meiner ersten Band, Lost Innocence, wurde mir recht schnell der Job des Sängers übertragen. Wie viele andere waren auch wir damals der Meinung, dass Singen jeder kann. Recht schnell merkte ich aber, dass zum ordentlich singen wesentlich mehr gehört. Ich habe mir daraufhin professionellen Gesangsunterricht genommen. Inzwischen ist es Janika, die mir gesanglich weiterhilft und mir Unterricht gibt.

Wie seit Ihr auf die Idee zum Album Cover gekommen?

Der Ausgangspunkt war unser Spiegelsee. In meinem Kopf sah ich immer eine Frau, die am Ufer eines Sees sitzt, ins Wasser schaut und von Schuldgefühlen verfolgt wird. Das Cover ist eine Abstraktion dieses Motivs.

Welchen Stellenwert hat Metal für euch?

Der Metal ist neben der Klassik unsere zweite Heimat und dementsprechend fühlen wir uns sehr eng mit ihm verbunden. Wir lieben die intensive Härte, die Aggressivität, die Ausdrucksmöglichkeiten, die er uns gibt. Es macht einfach Spaß, sich auf der Bühne sowie musikalisch so richtig auszutoben. Unsere Jungs sind dort sogar wesentlich fester verwurzelt als in der Klassik. Wir möchten ihn allesamt nicht missen und können ihn aus unserer Musiksammlung nicht wegdenken.

Danke für das Interview. Letzte Worte von euch?

Vielen Dank auch an dich! Außerdem möchten wir uns herzlich bei allen bedanken, die uns dabei unterstützen, unser Projekt voranzubringen und zu verbreiten. Eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch!

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