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Deutschland öffnet Sportwetten Markt: der Glücksspielstaatsvertrag

Von Oliver 6. Jan 2013, 04:03

Seit 1. Juli 2012 gilt der neue deutsche Glücksspieländerungsstaatsvertrag, welcher dem staatlichen Monopol zumindest teilweise ein Ende setzt. Waren bisher sämtliche Glücksspiele fest in staatlicher Hand, können sich nun auch private Anbieter um Lizenzen bewerben. Die Öffnung des Marktes betrifft allerdings nur den Bereich der Sportwetten, andere Produkte wie Casinospiele oder Poker bleiben hingegen weiterhin für Privatunternehmen tabu – so will es zumindest der von 15 der 16 Bundesländer unterzeichnete Vertrag. Lediglich Schleswig-Holstein hat dem neuen Gesetz nicht zugestimmt und geht in Sachen Glücksspiel eigene Wege.

Insgesamt 20 Lizenzen für die Veranstaltung von Sportwetten in Deutschland sollen spätestens im Mai 2013 vergeben werden. Bis Ende Januar 2013 können die umfangreichen Bewerbungsunterlagen eingereicht werden, nach eingehender Prüfung derselben sollen die besten und vertrauenswürdigsten Bewerbungen dann mit einer in ganz Deutschland gültigen Sportwetten Lizenz belohnt werden. Hier zeigt sich allerdings schon das erste drohende Problem mit dem neuen Gesetzt. Aus Fachkreisen ist zu hören, dass insgesamt bis zu 100 Bewerbungen privater Wettanbieter bei der zuständigen Behörde eintreffen sollen. Ob eine Beschränkung auf genau 20 Lizenzen mit dem EU-Recht auf Dienstleistungsfreiheit vereinbar ist wird von Experten stark angezweifelt. Es ist daher mit Klagen der leer ausgegangenen Bewerber vor dem EUGH zu rechnen.


Alleingang von Schleswig-Holstein wird für Probleme sorgen:

Ein weiteres Problem ergibt sich aus dem Alleingang von Schleswig-Holstein in dieser Sache. Das nördlichste Bundesland hat den Glücksspielmarkt bereits im Vorjahr für private Anbieter geöffnet. Insgesamt 15 Wettanbieter verfügen bereits über eine gültige Sportwetten Lizenz aus Kiel, daneben wurden bereits auch die ersten Lizenzen für das Betreiben von Casinospielen im Internet vergeben – und genau hier liegt das Problem für den Glücksspielstaatsvertrag der übrigen Bundesländer begraben. Eine bundesweit kohärente Vorgehensweise ist damit nicht mehr gegeben, diese ist aber unbedingt notwendig, um die Vorgaben der Europäischen Union zu erfüllen. Brüssel wird voraussichtlich nicht einsehen, warum beispielsweise in Berlin bestimmte Produkte aus dem Glücksspielsektor verboten sind, welche hingegen in Kiel als legal gelten. Auch dieser Punkt wird wohl noch einige Gerichtsverfahren nach sich ziehen.


Geplante Steuerbelastung sorgt für veränderte Rahmenbedingungen:

Auch die Wettbranche selbst ist mit den Bestimmungen des neuen Gesetzes alles andere als zufrieden, sind die zu vergebenden Lizenzen doch mit einigen – teilweise marktfremden – Restriktionen verbunden. Und nicht zuletzt die Besteuerung der Sportwetten nach dem neuen Vertrag stößt bei den Wettanbietern auf heftige Kritik. Der Vertrag der 15 Bundesländer sieht vor, alle Wetteinsätze von Kunden mit deutschem Wohnsitz pauschal mit einer Wettsteuer von 5% zu belegen. Was auf den ersten Blick nicht sonderlich dramatisch wirkt, hätte dennoch große Auswirkungen auf die Angebote der Wettunternehmen. Der Konkurrenzdruck unter den einzelnen Wettanbietern hat dazu geführt, dass die meisten Buchmacher mit sehr geringen Gewinnspannen arbeiten - manche sogar mit Margen, die geringer als die nun abzuliefernde Steuer in der Höhe von 5% ausfallen. Um wirtschaftlich sinnvoll Sportwetten in Deutschland anzubieten, müsste die Wettsteuer also in irgendeiner Form an die Wettkunden weitergegeben werden, was die Entwicklung des deutschen Sportwetten Marktes sicherlich hemmen würde.

Auch in dieser Frage erscheint das Konzept von Schleswig-Holstein wesentlich ausgereifter zu sein, hier wird nicht der Wettumsatz besteuert, sondern lediglich die vom Wettanbieter erzielte Bruttomarge, also die Differenz aus Wetteinsätzen abzüglich der Wettgewinne. 20% Steuer auf die Bruttoerträge müssen die Anbieter in Kiel abliefern - ein Modell welches in der Branche auf breite Zustimmung stößt.


Welche Wettanbieter werden sich um eine Lizenz bewerben?

Wie aus Fachkreisen zu vernehmen ist, werden sich dennoch so gut wie alle großen und bekannten Wettanbieter um eine Sportwetten Lizenz der 15 Bundesländer bewerben. Für viele der Anbieter ist der deutsche Markt einfach zu wichtig, um hier nicht mitspielen zu können. Welche sind nun die Marktführer auf diesem Gebiet, die in jedem Fall auch weiterhin in Deutschland Sportwetten anbieten wollen? Hier kann ein Blick auf das Wettinfoportal sportwettentest.net eine kompakte Übersicht bieten, welche alle wichtigen, bekannten und vertrauenswürdigen Wettanbieter testet und gegenüberstellt (hier geht’s zum Test ) – das Portal gilt nach Meinung von Branchenkennern als eine Art Referenz auf diesem Gebiet. Wenn man bedenkt, dass insgesamt nur 20 Lizenzen vergeben werden, ist es also nicht unwahrscheinlich, dass der eine oder andere Kandidat auf den Seiten von sportwettentest.net bei der Lizenzvergabe leer ausgehen wird. Die nächsten Monate werden jedenfalls für alle Marktteilnehmer äußerst spannend werden, die Karten werden ab Mai 2013 wohl neu gemischt.

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