Literatur Kritiken


Buchkritik: Der Erzfeind von Bernard Cornwell

Von Karsten Kloß 6. Jan 2013, 19:05

Calais im Jahre des Herrn 1347. Zwanzigtausend Franzosen haben auf der Anhöhe Stellung bezogen und ein dichter Wald von Bannern und Standarten flattert im Seewind -- darunter auch die Oriflamme, die heilige Kriegsfahne von Frankreich: lang und dreispitzig, ein blutrotes Band aus Seide. In der Ferne haben die Engländer einen Turm befestigt, den es zu erobern gilt. Zumindest finden das die ungestümen Adeligen, die ihren Herrscher Philippe drängen, zum Angriff

Calais im Jahre des Herrn 1347. Zwanzigtausend Franzosen haben auf der Anhöhe Stellung bezogen und ein dichter Wald von Bannern und Standarten flattert im Seewind -- darunter auch die Oriflamme, die heilige Kriegsfahne von Frankreich: lang und dreispitzig, ein blutrotes Band aus Seide. In der Ferne haben die Engländer einen Turm befestigt, den es zu erobern gilt. Zumindest finden das die ungestümen Adeligen, die ihren Herrscher Philippe drängen, zum Angriff ...mehr

Mit „Der Erzfeind" schließt Bernard Cornwell nun seine Trilogie der „Bücher vom Heiligen Gral" ab.

Der Roman beginnt gewohnt kämpferisch mit der detaillierten Schilderung der Belagerung von Calais 1347 durch die Engländer. Ein blutiger und gnadenloser Vorstoß der Franzosen erzielt nur einen Teilerfolg, die Eroberung Calais‘ kann nicht abgewendet werden. Dafür hat nun nach einer längeren allgemeineren Schilderung der Kriegsgräuel die bereits aus den ersten beiden Bänden bekannte Hauptperson seinen Auftritt. Thomas von Hookton kann mit seinem Bogen seinen Gönner, den Earl of Northampton retten, und wird von diesem als Befehlshaber einiger Männer in den Süden Frankreichs geschickt, um die Suche nach dem heiligen Gral fortzusetzen.

Thomas zweifelt noch immer stark an dessen Existenz, hat er doch auf der Suche nach dem Gral bereits viele geliebte Menschen verloren. Begleitet wird er unter anderem von Guillaume d‘Evecque, dem Vater seiner ermordeten Frau (siehe Band 2, „der Wanderer") sowie seinem mittlerweile guten Freund, dem Schotten Robbie, der noch sein eigenes Lösegeld erkämpfen muss. Alle drei haben einem Mann den Tod geschworen, Guy Vexille, ein Cousin von Thomas, der ohne Rücksicht ebenfalls auf der Suche nach dem Gral ist. Die Gefährten hoffen, ihn ebenfalls in den Süden locken zu können. Denn Gerüchten zufolge sei der Gral von Ketzern in der Burg von Astarac versteckt worden, ein Gut in der Gascogne, über das die Vexilles bis zur Verurteilung als Ketzer geherrscht haben.

Astarac ist mittlerweile eine verfallene Ruine, und so erobern Thomas und seine Leute zunächst eine kleinere Burg ganz in der Nähe und brandschatzen die Umgebung. Zu Verwicklungen und Streitigkeiten mit der Kirche und auch unter den Freunden selbst kommt es, nachdem Thomas eine vermeintliche Ketzerin vor dem Feuertod gerettet hat. Und auf der Suche nach dem Gral muss Thomas erneut vieles durchmachen, vom Befehlshaber einer Garnison bis hin zum gesuchten Verbrecher, der sich in den Wäldern verstecken muss.

Ohne zu viel verraten zu wollen, kommt es am Ende zu einem gewaltigen Show-down, bei dem fast alle Handlungsstränge beendet oder zumindest erklärt werden. Der Band insgesamt beschäftigt sich viel mehr mit dem Thema „Gral" und Kirche als die beiden ersten Bände. Größere Kampfszenen, wie sie in den ersten Büchern laufend beschrieben waren, gibt es bis auf die Eingangsszene nicht. Dennoch kommen kleinere Kämpfe und natürlich die Beschreibung der Kunst im Umgang mit dem Langbogen nicht zu kurz. Dieses bleibt weiterhin elementarer Grundstein, durch den die Engländer Angst und Schrecken verbreiten und kaum zu besiegen scheinen. Einen großen Raum nehmen allerdings nun auch die Beschreibung der Kirche und die Käuflichkeit der Kirchenämter ein. In einer Welt, die sich vor Ketzern und der Inquisition durch die Dominikaner fürchtet, ist es heute unvorstellbar, welche Macht eine drohende Exkommunizierung gehabt haben muss. Erneut sind es eher die eigenen Gelüste und Ziele, die zu schier unmenschlicher Gewalt führen, sei es durch die Folter eines Dorfpaters oder durch die hinterhältigen Pläne eines raffgierigen Bischofs. Al Gegenpol wird aber auch die gute und barmherzige Seite der Kirche in Form des Abbés Planchard beschrieben.

Mir hat diese Trilogie gut gefallen, alle Bände waren gut zu lesen und spannend geschrieben. Die Einbettung in die damalige Zeit und das Gedankengut gelingt gut, dennoch scheinen sich einige Dinge stetig zu wiederholen. So trifft Thomas in jedem Band auf (mindestens) eine ungewöhnliche Frau, die ihn ein Stück seines Lebens begleitet. Die Widersacher, die sich in den ersten beiden Bänden sehr ähnelten sind hier nun aufgeteilt auf mehrere Personen. Und die alles schlagende Waffe, der Langbogen, kann natürlich vor allem von Thomas trotz seiner Verkrüppelung der Hände durch die Folter meisterlich benutz werde.

Nichtsdestotrotz mochte ich die Bücher sehr, es sind tolle Abenteuerromane in der düsteren Zeit des Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich.

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Die Bücher vom Heiligen Gral. Der Erzfeind

Calais im Jahre des Herrn 1347. Zwanzigtausend Franzosen haben auf der Anhöhe Stellung bezogen und ein dichter Wald von Bannern und Standarten flattert im Seewind -- darunter auch die Oriflamme, ...more

Buch Information

Autor: Bernard Cornwell
Erscheinungsdatum: 2013-01-06
Verlag: rororo
Unverbindliche Preisempfehlung: EUR 9,99

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