Aktuelles


Sie machte bereits in ihrem Buch Schluss

Von Oliver 10. Jan 2013, 19:28

Wenn überhaupt etwas an der Trennung der Wulffs überraschte, dann vielleicht der Zeitpunkt. Doch dass der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff und seine Ehefrau Bettina in absehbarer Zeit getrennte Wege gehen würden, ist nicht verwunderlich. Das Leben im Schloss Bellevue, im Rampenlicht, der Rücktritt und schließlich Bettina Wulffs Autobiografie - all das übersteht keine Ehe unbeschadet.

Das Buch der Ex-First-Lady Jenseits des Protokolls war eine Abrechnung mit ihrer Zeit im «Amt», den Medien und ihrem Mann gleichermaßen. Und das nicht etwa versteckt zwischen den Zeilen, sondern überraschend offensiv. So offensiv, dass kein Zweifel daran bestand, dass es schon damals gehörig kriselte in der Ehe der Wulffs. In einem Interview zur Biografie gestand die Frau des Ex-Bundespräsidenten sogar, zur Paartherapie zu gehen.

Was sie offenbar noch zu retten versuchte, hatte Bettina Wulff in ihrem Buch allerdings schon längst abgeschrieben. Zu groß waren die Vorwürfe an ihren Mann, sie in die Rolle als First Lady gedrängt zu haben. Wie sie sich darin selbst verlor, beschreibt sie in Jenseits des Protokolls: «... doch bei allem, was ich tat, war ich stets die Frau des Bundespräsidenten. Ich hatte ein großes Stück Eigenständigkeit und Selbstbestimmung verloren.»

«Nicht selbstverständlich als untrennbares Doppelpack»

Schreibt so eine Frau, die mit ihren Mann alles teilen, mit ihm überall hingehen würde, ihm bedingungslos vertraut? Die Belastungen des politischen Amtes hatten die Ehe augenscheinlich zermürbt. So sei «dieses Wissen, als liebendes Paar wahrgenommen zu werden und auch wahrgenommen werden zu wollen und als Menschen, die gleichzeitig auch das Amt perfekt ausfüllen», eine ernorme Belastung gewesen, die ihr gestresster Mann nicht immer gesehen habe.

Im Klartext heißt das doch: Bettina Wulff fühlte sich vernachlässigt und mit den familiären Problemen allein gelassen. «Natürlich waren Christian und ich in Berlin ein Team. Aber deswegen wollte ich mich nicht selbstverständlich als untrennbares Doppelpack über einen Kamm scheren lassen», schreibt sie und distanziert sich damit deutlich davon, dass die Fehler ihres Mannes auch automatisch ihre gewesen seien.

Nirgendwo in Jenseits des Protokolls tritt dies so drastisch zu Tage wie in der Beschreibung der Rücktrittsrede ihres Mannes. Bettina Wulff bezeichnet den Abschied aus Schloss Bellevue als seltsamen Momemt, vor allem weil sie selbst schweigen musste. «Ich sollte alles mittragen, mit ertragen, alles mit erleiden, aber letztendlich, wo es nun zu Ende war, blieb mir nur die Besetzung als die stumme Statistin», schreibt sie etwas trotzig. Bewusst wahrte sie Distanz zu ihrem Mann, um zu signalisieren, eine eigenständige Person zu sein.

Christian Wulff schwieg zum Seelenstriptease

Dieses Recht reklamierte Bettina Wulff in ihrem Buch dann auch lautstark für sich: «Ich will mich endlich einmal um meinen eigenen Kern kümmern, um mich selbst, meine Träume und Wünsche. Auch Christian muss sich diesbezüglich umstellen, denn ich fordere jetzt mehr Zeit für mich ein ...» Sie wollte sich nichts mehr diktieren, sich in keine Rolle mehr pressen lassen - nun offenbar auch nicht mehr in die der Ehefrau.

Schon als Bettina Wulff diese Zeilen schrieb, muss ihr klar gewesen sein, dass die Beziehung nur schwer zu kitten sein würde. Gleiches gilt für ihren Mann, als er diese Zeilen las. Er schwieg zum öffentlichen Seelenstriptease seiner Gattin und seiner damit einhergehenden Bloßstellung. Schließlich hatte sie schon mehr als genug preisgegeben - und mit ihrem Buch den Anfang vom Ende der Ehe eingeläutet.

Dass das offizielle Ende ausgerechnet von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann höchstpersönlich vermeldet wurde, passt ins Bild. Schließlich hatte sein Blatt am Aufstieg und Fall der Wulffs einen nicht zu unterschätzenden Anteil - weitere Schlagzeilen garantiert. Zwar hat sich der Spruch «in guten wie in schlechten Zeiten» für die Ehe der Wulffs nicht bewahrheitet, im Verhältnis zur mal geliebten, mal gehassten Boulevardpresse scheint er weiter zu funktionieren.

Sind Sie schon Fan von news.de auf Facebook? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

Quelle: News - Politik News - Wulff-Trennung - Sie machte bereits in ihrem Buch Schluss

Kommentiere diesen Artikel

Follow Us

Suche

Mehr in Aktuelles

comments powered by Disqus