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Magere Fortschritte auf den Fashion Weeks

Von Oliver Lippert 29. Jan 2013, 10:56

Magazine meckern über Magermodels

Die Vogue ist das einflussreichste Modemagazin der Welt. Im Mai startete ihre «Health Initiative» für ein gesundes Körperbild und Körperbewusstsein. Die 19 Chefredakteure der internationalen Ausgaben einigten sich auf sechs Punkte, mit denen sie ungesunde Model-Darstellungen aus dem Magazin verbannen wollen. So wolle die Zeitschrift nicht mehr mit Models unter 16 Jahren und unter Normalgewicht zusammenarbeiten.

Die Zeitschrift Brigitte hatte eine radikalere Initiative schon 2009 gestartet: Sie wollte nicht mehr mit Profi-Models, sondern mit normalen Frauen arbeiten. Im vergangenen Sommer ist das Magazin jedoch wieder zu professionellen Laufstegkönnern zurückgekehrt.

Berliner Modewoche appellierte

Die Veranstalter der Berlin Fashion Week griffen im Sommer die Rufe aus der Gesellschaft nach gesünderen Modelmaßen auf ? und lenkten sie um: mit einem Appell an Designer, keine Models unter 16 Jahren und nur solche mit ?gesundem Körperbild? einzusetzen. Dumm nur, dass ein Appell allein nicht reicht ? und Modemacher zuweilen eher verärgert als aufrüttelt. So haben die Designer Kilian Kerner und Klaus Unrath das Thema als überflüssig und «nervig» abgetan: «Keiner von uns Designern möchte, dass unsere Mädchen krank sind», so Kerner. Solange es keine konkreten Lösungsvorschläge gebe, sei es überflüssig, das Thema aufzugreifen.

Per Gesetz zum Normalgewicht gezwungen

Isreal hingegen ist weiter gegangen: Seit Januar sind untergewichtige Models hier verboten. Genauer: Wer solche über den Catwalk schickt, fotografiert, abdruckt oder generell unter Vertrag nimmt, hat mit saftigen Geldstrafen zu rechnen. Untergewicht bedeutet in diesem Fall: unter dem von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Body-Mass-Index-Wert 18,5 ? das sind rund 57 Kilo für eine 1,76 Meter große Frau.

«Das Gesetz ist ein Anfang, Kinder und Jugendliche zu schützen», erklärt Rachel Adatto, Ärztin, Abgeordnete und Mitinitiatorin der Gesetzesinitiative. Auslöser der Kampagne war der Tod des Models Hila Elmalich, die mit 33 Jahren starb. Sie wog damals noch 22 Kilogramm.

Und die Verantwortung geht an...

Über die Versuche, Magermodels aus der Modewelt zu verbannen, schnauben viele Designer ? und engagieren weiterhin Leichtgewichte unter der Schmerzgrenze. So wie Hedi Slimane. Der ist bekannt für die gruselig-dürren Männer, die er für die französischen Fashion Weeks mit Streichholzhosen ausstaffiert. So wie Louis-Vuitton-Designer Marc Jacobs, der die Debatte über Magermodels als «lächerlich» betitelt, oder Karl Lagerfeld, der Magermodel-Kritiker als «dicke Muttis mit Chipstüte» beschimpft.

Modelagenturen, die ihre Schützlinge zu weiteren zwei, vier, sechs Kilo weniger gängeln, verweisen auf die Nachfrage durch diese Designer. Die Modemacher wiederum reden sich mit der Nachfrage nach Schönheit, Idealen und Modetrends in der Gesellschaft heraus: Es sei eben «Zeitgeist», dünn zu sein, wie es Joop- und Alexander-McQueen-Designer Stefan Eckert ausdrückt.

Die Gesellschaft kritisert unrealistische Ideale der Modemacher, die eine falsche Nachfrage steigern. Scharfsinnige Fashion-Verteidiger aus allen Reihen dagegen halten eisern daran fest, dass kein Mädchen oder Junge zum Modeln und Hungern gezwungen werde. Gut zu wissen. Hoffen wir, dass die 14-jährigen Nachwuchsmodels das auch verstehen.

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Quelle: Nachrichten - Gesellschaft Nachrichten - Dürre Models - Magere Fortschritte auf den Fashion Weeks

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