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DVD Kritik: Live At Rockpalast 1980 von Ronnie Lane Band

Von Rainer Molz 1. Feb 2013, 15:41

Ronnie Lane war ein äußerst angenehmer Zeitgenosse. Der lustige Brite war aber auch ein exzellenter Songschreiber und Gitarrist, Bassist und Sänger; ein Bandleader, wie man sich diesen so vorstellt. Ein kleiner Mann…… aber oho! Als ehemaliges Mitglied der Small Faces, schuf er gerade in den 60er Jahren tolle Rocksongs. Ende der 70er Jahre erfuhr Ronnie Lane eine Hiobsbotschaft – Multiple Sklerose. Trotz, oder auch gerade wegen, tourte er weiter durch die Lande. Eines seiner letzten Konzert gab Ronnie Lane am 3. März 1980 beim legendären Rockpalast im WDR Studio in Köln. Ein unvergessener Auftritt. Kurze Zeit danach verschlechterte sich sein Gesundheitszustand dramatisch. Ronnie Lane verstarb am 4. Juni 1997. Ronnie Lane Band – Live At Rockpalast 1980 – ein absoluter Klassiker und ein Must für Rockliebhaber.

Er maß kaum 1,65 m, zählte aber zu den großen Songschreibern der 60-er Jahre: Ronald Frederick "Ronnie" Lane schrieb zusammen mit Steve Mariott Klassiker wie "Itchycoo Park", "Lazy Sunday" und "Tin Soldier". Als dieses Team 1969 auseinanderbrach, wurden aus den "Small Faces" kurzerhand die "Faces" mit Rod Stewart, Ron Wood und natürlich Ronnie, auch "Plonk" Lane genannt. Einige der besten Songs auch dieser neuen Formation stammen wiederum aus seiner Feder: "Ooh Lala", "Richmond" und "Debris", das kürzlich erst von Mick Hucknall gecovert wurde. Die frühere Stimme von Simply Red bezeichnete Ronnie Lane jüngst als einen "sträflich unterbewerteten Musiker".

1973 verließ der unterschätzte Lane die Faces und nahm mit eigener Band "Slim Chance" das Album "Anymore for Anymore" auf. Später zog der Bassist, Gitarrist und Sänger wie ein Zigeuner mit seiner "Passing Show" mit Zirkuszelt und Wagen durch die Lande. Finanziell war dies ein desaströses Unternehmen, musikalisch aber ein Aufbruch zu neuen Ufern. Ronnie Lane sprengte mit seiner bunten Gruppe den Rahmen von Pop und Rock, spielte nun mit Elementen aus Folk und Vaudeville. Die Single "How Come" schaffte es bis in die britische Top Ten, doch der ganz große Durchbruch blieb aus. Daran konnten auch die Alben "One For The Road", "Rough Mix" mit Pete Townshend (The Who) und der Soundtrack "Mahoney´s Last Stand" mit Ron Wood nichts ändern.

Ende der 70-er Jahre traf Ronnie Lane dann ein noch schlimmerer Schicksalsschlag: Bei dem Mittdreißiger wurde Multiple Sklerose diagnostiziert. Trotz dieser heimtückischen Krankheit arbeitet der Musiker unermüdlich weiter, ging auf Tournee und spielte am 19. März 1980 mit einer hervorragenden Band (u.a. mit dem Rolling Stones Pianisten Ian Stewart) im WDR Studio A in Köln ein bemerkenswertes Clubkonzert für den "Rockpalast". Vom Opener "Rats Tales (Cat Melody)" an spürt man die Spielfreude der sieben "Mates" von Ronnie Lane. "Flags And Banners" und "You´re So Rude" stammen aus Faces Zeiten, im Klassiker "I´m Ready" kommen die Saxophonisten George und Raymond Carless zum Zuge und in "Kuschty Rye" glänzen Gitarrist Henry McCullough und Akkordeonist Charlie Hart. Im anzüglichen "Rocket 69" swingt und shuffelt die Band genüsslich, und Chuck Berry's "You Never Can Tell" macht trotz oder gerade wegen eines kleinen textlichen Blackouts von Ronnie Lane Spaß.

Nur kurze Zeit nach dem "Rockpalast" Gig aber verschlechterte sich Lanes Gesundheitszustand. Die Freunde des allseits beliebten und humorvollen Briten waren geschockt. Angesichts der noch unerforschten Krankheit fand sich deshalb im September 1983 eine All Star Band zusammen, um Geld für die von Ronnie Lane ins Leben gerufene Hilfsorganisation zur Erforschung der Multiplen-Sklerose (ARMS) einzuspielen. Eric Clapton, Jimmy Page, Jeff Beck, Steve Winwood, Bill Wyman, Charlie Watts, Kenney Jones und viele andere mehr gaben ein gemeinsames Konzert in der Londoner Royal Albert Hall, um auf das Schicksal ihres Kumpels und all der anderen Erkrankten aufmerksam zu machen. Ronnie Lane selber konnte nur noch zur Zugabe auf die Bühne kommen, um "Goodnight Irene" anzustimmen. 1984 übersiedelte der am 1. April 1946 in London geborene Musiker wegen des gesünderen Klimas nach Austin/Texas. Nur noch selten war er danach bei Auftritten zu erleben. Am 4. Juni 1997 starb Ronnie Lane an den Folgen einer Lungenentzündung an seinem letzten Wohnort Trinidad/Colorado.

Der Mitschnitt des Kölner Konzerts von 1980 bleibt somit ein einmaliges Live-Dokument dieses außergewöhnlichen Mannes. "God Bless Us All" waren die letzten Worte, die Ronnie Lane dem Publikum im "Rockpalast" mit auf den Weg gab. Posthum wurde er als ehemaliges Mitglied der (Small) Faces im April 2012 in die Rock´n´Roll Hall Of Fame aufgenommen.

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Ronnie Lane - Live at Rockpalast

DVD Information

VertriebSony Music Entertainment
Erscheinungsdatum2013-01-25
FreigabeFreigegeben ohne Altersbeschränkung
PreisEUR 20,99

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