Musik Reportagen


Interview: Coppelius

Von Oliver Lippert 21. Feb 2013, 03:02

© Ingo Rast; Auf dem Bild: Coppelius

© Ingo Rast; Auf dem Bild: Coppelius

Die Band Coppelius hat sich nicht lumpen lassen und beantwortet zu ihrem aktuellen Album "Extrablatt" einige Fragen. Dass es dabei auch um Zwistigkeiten innerhalb des Bandgefüges geht, ließ sich dann nicht vermeiden aber scheinen alle glimpflich davon gekommen sein.

Stellen Sie sich doch einmal vor und erzählen Sie der Leserschaft etwas über das aktuelle Album "Extrablatt".

Max Coppella: Ich heiße Max Coppella und finde es unerhört, daß ich mich selbst vorstellen muß.

Le Comte Caspar: Ich spiele Klarinette und singe. Herr Sissy Voss zieht gerade neue Saiten auf seinen Kontrabass und kann deswegen hier nicht teilnehmen, ich bin mir aber sicher, daß er einiges anzuprangern hätte - nicht nur die Umstände, unter denen "Extrablatt" veröffentlicht wurde!

Graf Lindorf: "Extrablatt" ist der Name unseres neuen Albums, das uns völlig unvorbereitet mit seiner Veröffentlichung überraschte. Ich bin übrigens der Cellist und wenn ich geahnt hätte, daß sich Jemand erdreisten würde, unsere Proben heimlich mitzuschneiden und diese dann zu veröffentlichen, hätte ich versucht, nicht ganz so perfekt zu spielen. Denn Sie müssen wissen: ein falscher Ton kann jede Probe in ein Duell oder gleich mehrere verwandeln.

Nobusama: Ich bin Nobusama, der Trommler bei COPPELIUS.

Gab es schon Streitereien mit der Lokalitäten-Kette gleichen namens?

M.C.: Ich kenne gar kein Lokal mit diesem Namen. Ich lasse mich grundsätzlich bedienen, weil ich nicht gerne in Gasthäuser gehe. Ich esse allein, denn speisende Menschen sind mir ein Greuel.

G.L.: Sehr richtig! Vor allem jene, die mit vollem Mund meinen, einen Vortrag halten zu müssen, nur um seinem Gegenüber auch die letzten Zweifel, welches Gericht nun eigentlich bestellt wurde, zu nehmen. Welche Lokalitäten-Kette ist hier eigentlich gemeint?

LCC: Ich kenne inzwischen einen Comte-Caspar-Platz, eine Chaussee und einen Park... von einem Restaurant, welches nach mir benannt wurde, ist mir nichts bekannt.

Wieso kommt es so oft zu Uneinigkeiten innerhalb der Band wegen der verschiedenen Instrumente? Und gab es dabei schon einmal Verletzte - innerhalb / außerhalb der Band?

M.C.: Uneinigkeit ist ein harmloses Wort, denn in der Tat sind es unüberwindbare Klüfte zwischen den Leuten mit den widerlich klingenden und mir mit meinem schön klingenden Instrument. Und jawohl, der Comte zum Beispiel hat sich schon des Öfteren verletzt, wenn ich ihm versuchte zu erklären, wie eine Klarinette zu klingen hat.

G.L.: (hinter vorgehaltener Hand) ich wundere mich immer wieder, wie es gelingt, sich beim Spielen eines so scheußlichen Instruments, wie einer Klarinette, nicht selbst zu verletzen. Ich meine dabei nicht nur die Finger und Gelenke, sondern vor allem die Gehörgänge. Wenn Sie sich fragen, worin die Ursachen einer Altersschwerhörigkeit liegen, brauchen Sie ab sofort nicht weiter nach einer Antwort suchen.

LCC: Was sagten Sie, Herr Graf? Ich habe nur "Klarinette" verstanden! Die Klarinette - müssen Sie wissen - ist nicht nur das schönste, nein auch das umfangreichste Instrument in der Kapelle, welches zudem noch der menschlichen Stimme am nächsten kommt! Kein Wunder, daß die Herren Streicher neidisch sind!

Was ist das besondere an "Extrablatt" und worin liegen aus eurer Sicht die Unterschiede zum Vorgänger-Album?

M.C.: Es gibt keine nennenswerten Unterschiede, eher Gemeinsamkeiten, daher möchte ich meine schlechte Meinung nicht wieder so deutlich darlegen, sonst gibt es wieder Verletzte zu beklagen.

G.L.: Der Herr Coppella stapelt wieder noch tiefer, als er sowieso schon zu klein geraten ist! Es ist diesmal glücklicherweise gelungen, wesentlich mehr von unserem konzertanten Energiefluß einzufangen, als das bisher gelungen ist. Gemeinsamkeiten gibt es indes auch. Großartige Kompositionen und gelungene Texte verbinden sich mit einer derzeit aktuellen Konzertreise.

N: Es gibt schon den ein oder anderen Unterschied, z.B. gehen mehr Stücke richtig gut ins Ohr. Der Klang meines Schlagzeuges ist viel kräftiger, denn mit Simon Michael (Subway to Sally) hat ein ehrfahrer Produzent am Ton gearbeitet, welcher zudem ein richtig guter Schlagzeuger ist.

LCC: Der größte Unterschied ist, daß wir überhaupt nicht vorhatten, dieses Album herauszubringen. Wir machten Probeaufnahmen, im guten Glauben daran, daß es die ersten Versuche zu weiteren Versuchen zu noch mehr Versuchen wären, aufgrundderer man dann vielleicht einmal überlegt, ob man ein neues Album aufnehmen würde... nun, so unbefangen zu spielen, hat dem Klang scheinbar wirklich nicht schlecht getan.

Wie kam es zur Kooperation von Coppelius und Subway To Sally beim Stück "Maria"?

N: Wir kennen uns schon sehr gut. Nicht, daß wir über technische Feinheiten miteinander sprechen, nein, sie haben auch auf unseren früheren Alben mitgespielt. Deshalb wollten wir für die doch noch recht junge Band etwas Gutes tun.

G.L.: Genau! Man fragte uns, ob wir einen Beitrag zu ihrem 20jährigen Bühnenjubiläum zu leisten bereit wären. Sie können sich unser Amüsement vorstellen: 20(!!)jähriges Bühnenjubiläum... Wie dem auch sei. Wir wollten unsere Originalkompoition aus den 1860er Jahren mal wieder hervorkramen und so ließen wir uns nicht lumpen.

Auf "Extrablatt" bekommen die Momente ohne Kamera eine Hommage. Dient das Stück eher als Gedächtnisstütze?

M.C.: Es ist ganz ehrlich gemeint, wie wäre es, wenn jemand die Hinrichtung des letzten französischen Königs oder die Eröffnung der Lübecker Marzipanfabrik gefilmt hätte.

G.L.: Richtig. Dann wüsste jeder, daß sich Herr Voss bei der kurzfristigen Bekanntgabe der Begnadigung Ludwig XVI. versehentlich an den Auslösehebel der Schaffottvorrichtung gelehnt hatte. Oder man wäre sich heute über die erstaunliche Tatsache bewußt, daß Herr Coppella beinahe für die Auslöschung dieser so wohlschmeckenden Süßigkeit verantwortlich ist, als nur mit Not verhindert werden konnte, daß er bei der Eröffnung der ersten Marzipanfabrik neben sämtlichen
 prototypischen Marzipanvorräten auch noch das Rezept mitvertilgt. Aber in der Tat, wozu braucht man denn immer eine Kamera, wenn man einfach die Augen aufsperrt und das Leben so wahrnimmt, wie es eigentlich ist. Ich habe auch gehört, daß es durch die heutigen technischen Möglichkeiten unglaubliche Betrügereien in diesem bildgebenden Handwerk gibt. Man kann eigentlich kaum noch glauben, was man sieht - es könnte manipuliert sein.

Welche Dinge dienen euch der Inspiration?

M.C.: Es sind bei mir immer Dinge aus der Vergangenheit, beim Comte eher Zukunftsfantasien, die hoffentlich niemals wahr werden. Niemand möchte, daß der Comte plötzlich zu viel Geld hat wie im Titel "Reichtum".

N: Ein schönes Essen in gepflegter Gesellschaft.

LCC: Ein Spaziergang in einem sommerlichen Wäldchen, ein Bächlein plätschert, die Vögel zwitschern. Und Herr Max Coppella ist ganz ganz weit weg.

Welche neumodischen Künstler inspirieren Coppelius?

M.C.: Das würde ich in solch einer direkten Frage nie zugeben, bitte lesen Sie doch meine Befragungen der letzten Jahrzehnte und erkennen Sie dies zwischen den Zeilen.

N: Es gibt einige Künstler und es wechselt auch mit den Jahreszeiten. Aktuell gefallen mir u.a. Alex Clare, Beats Antique und Bob M.. Das mag Sie vielleicht überraschen, doch haben diese Künstler eine tolle Rhythmusfraktion.

LCC: Edvard Grieg!

Dient "Extrablatt" dem Hörgenuss auch bei Einsteigern?

M.C.: Es ist eher das Gegenteil von Genuß und die daraus resultierende Faszination an üblen Dingen, welche manch braven Bürger Coppelius verfallen läßt.

G.L.: Ich bin mir gerade nicht sicher, ob Herr Coppella von den ihm so verhassten Kompositionen des Comte spricht oder seine eigenen meint. Na vielleicht sind es auch die wenigen aus meiner Feder. Wenn man den Kritikern Glauben schenken darf, müßten wir entweder das ganze Jahr auf Welt-Tournee oder im Gefängnis sein.

Wie man hören kann, wurde auch Iron Maiden als Inspirationsquelle genutzt. Wie kam es dazu und werden derartige Entscheidungen innerhalb des Gruppengefüges bestimmt?

M.C.: Da kommt der wohl einzige nette Zug dieser Gruppe zu seiner Geltung: Barmherzigkeit. Man möchte diesen jungen Leuten auch einmal Gehör verschaffen.

G.L.: Sehr richtig. Und die Liste mit von anderen Bands interpretierten coppelianischen Originalkompositionen ist ellenlang. Man wird sicher noch das ein oder andere in das ursprüngliche Licht rücken.

Danke für das Interview. Hier können noch Worte an unsere Leserschaft und eure Fangemeinde gerichtet werden.

Bastille: Ich bin der Butler und ich sage Ihnen nur eins: COPPELIUS hilft!

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