Freundlicherweise stand mir Björn Werner, einer der Mitorganisatoren des Essen Originell, für ein kleines aber feines Interview zur Verfügung. Im Interview geht es um die "Ausgrenzung" der schwarzen Szene vom Essen Original. Sprich: Trennung von unkommerzieller beziehungsweise nicht dem Mainstream-zugehöriger Musik vom Mainstream. Als Mit-Organisator hat Björn natürlich einiges zu erzählen was ich euch nicht länger vorenthalten möchte.
Essen Originell. Wer und was steht genau dahinter?
Das Essen Originell ist ein Bündnis, welches ich gegründet habe, um einen Namen für unseren Protest gegen die Ausgrenzung der Szene-Bühnen vom Essen Original zu haben. Neben mir engagieren sich noch sehr stark Lena Bunse mit der ich das Forum Blackpott.de leite, die Marika Gundlach, Essener Designerin der Marke RevierKult, Melanie Dittmer vom Subkultur 2010 und last but not least Dirk Bussler und Rainer Goertz vom Leo Store Essen. Des Weiteren haben wir mittlerweile zahlreiche Unterstützer gefunden, die ihr auf unseren Seiten Essen Originell und Black Mob sehen könnt. Zum größten Teil handelt es sich bei uns um Leute, die sehr stark mit einer der vom Essen Original ausgegrenzten Szene verbunden sind und zwar der "Schwarzen Szene". Wir möchten es nicht einfach so hinnehmen, dass wir und andere Subkulturen einfach ausgegrenzt werden.
Was sind eure Absichten?
Wie ich schon sagte fühlen wir uns ausgegrenzt. Wir möchten erreichen, dass man sieht wie viele wir sind und dass wir uns nicht einfach ausschließen lassen. Wir möchten auf dem Stadtfest genau so unseren Spaß haben wie alle anderen. Das können wir aber nicht an einer Bühne wo ein Mark Medlock auftritt. Das meine ich nicht gegen die Person Mark Medlock direkt, sondern gegen die Musik die einfach nicht unseren Geschmack trifft, genau so wie unsere Musik ja auch nicht den Geschmack des Mainstreams trifft. Wir möchten einfach wieder zum Essen Original gehören wie in vielen vergangenen Jahren, unsere Bühnen haben, auf denen die Musik unserer Szenen gespielt wird damit wir dort wieder zusammen feiern und Spaß haben können. Ich sage auch ganz bewusst die Mehrzahl Szenen, denn es geht uns dabei nicht nur um die "Schwarze Szene". Die Ausgrenzung vom Essen Original betrifft ja genau so die Hip-Hop- und die Technoszene.
(c) Björn Werner; Auf dem Bild: Björn Werner
Des Weiteren finde ich es unverschämt wie unsere Szenen nach außen hin dargestellt werden. In einem Originaltext der EMG heißt es, dass die Jugend und junge Erwachsene nicht in die Innenstadt passen würden, da Fehlverhalten und Ausschreitungen erwartet würden. Ich war echt schockiert, als ich diese Aussage gelesen habe. Ich habe in den letzten Jahren des Essen Originals, in denen es die Szenebühnen noch gegeben hat, nie etwas von Ausschreitungen mitbekommen. Fehlverhalten einzelner Personen kann man nie ausschließen, das lässt sich bei großen Menschenmassen leider nie verhindern, aber das kann auf dem Kennedyplatz wo der "Mainstream" feiert genau so passieren. Dieses Bild, welches da von jungen Erwachsenen und Jugendlichen suggeriert wird, möchten wir auch gerne wieder geraderücken in dem wir zeigen, dass wir friedlich miteinander Spaß haben und gegen die Diskriminierung protestieren können.
Sind bei dieser Veranstaltung nur Anhänger verschiedener Subkulturen erwünscht?
Ein ganz klares NEIN! Wenn das so wäre, dann wären wir ja auch nicht besser als die EMG, die das Essen Original veranstaltet und uns nicht dabei haben will. Uns geht es ja darum das keiner ausgegrenzt wird und deshalb ist jeder willkommen der unser Anliegen unterstützt oder einfach nur zuschauen oder friedlich mit uns demonstrieren und feiern möchte. Jeder ist eingeladen!
Ihr plant sowohl ein Konzert als auch eine Demo beziehungsweise einen schwarzen Flashmob - den ?Black Mob?. Was darf erwartet werden, wo genau findet das Ganze statt (Anmerkung: In- oder Outdoor, usw.), wie ist die Versorgung und die Sicherheit des Publikums gewährleistet?
Genau. Wir haben 11 Bands, die sowohl Freitag als auch Samstag für die Leute draußen im Schaufenster des Leo Store spielen werden. Da wir dieses Jahr keine offizielle Bühne haben mussten wir uns so behelfen. Aber das ist ja auch mal etwas anderes und alle werden bestimmt eine Menge Spaß haben! Aufgepeppt wird das ganze noch durch Modenshows und kleinere Acts, die während der Umbaupausen für Stimmung sorgen werden. Am Samstag um 20.00 Uhr hoffen wir dann auf ganz viele Leute, die uns unterstützen, denn da veranstalten wir den Black-Mob. Der Black-Mob wird der erste schwarze Flashmob im Ruhrgebiet sein und unser Motto ist die Viehofer Strasse vor dem Leo Store schwarz zu färben. Keine Angst, wir wollen keine Wände oder so anstreichen, wir meinen damit die Leute, die in unserer Szene halt größtenteils schwarz gekleidet sind. Dies bedeutet aber wie gesagt nicht, dass wir keine "bunten" Menschen dabei haben wollen. Wirklich jeder ist Willkommen! Dass wir den Aufruf für die schwarze Szene gestartet haben kam einfach dadurch, dass wir dort die meisten Kontakte haben und viele Plattformen zum verbreiten kennen, da wir ja selber der Szene angehören. Hätten wir mehr Zeit zum planen gehabt, dann hätten wir uns noch Leute aus der Techno- und der Hip-Hop Szene als Partner gesucht. Es geht uns ja um die Sache an sich und wir möchten nächstes Jahr alle Bühnen zurück haben und nicht nur die schwarzen.
(c) Björn Werner; Auf dem Bild: Björn Werner
Der Black-Mob ist also eine Ansammlung von Menschen auf der Viehofer Strasse und soll unseren friedlichen Protest ausdrücken mit dem wir der EMG, der Stadt Essen und dem ganzen Ruhrgebiet sagen möchten: Hallo, wir sind auch noch da! Um die Versorgung und Sicherheit der Leute mache ich mir überhaupt keine Sorgen. In der ganzen Stadt ist ja das Essen Original und es gibt massenhaft Stände mit Essen und Trinken. Ausschreitungen wird es mit Sicherheit auch keine geben, denn das wäre für unsere Szene unüblich. Es gibt so viele große Festivals wie z.B. das Blackfield Festival, das Amphi Festival oder das Mera Luna Festival. Dort ist es noch nie zu Unruhen gekommen und das wird bei einer verhältnissmässig kleinen Veranstaltung wie unserer garantiert auch nicht der Fall sein. Die letzten Jahre, in denen wir noch zum Essen Original gehört haben waren auch immer friedlich und das wird sich nicht ändern. Das einzige was mir etwas Sorgen macht ist, dass man uns unseren Spaß nicht gönnt. Dass evtl. das Ordnungsamt kommt und den Auftritt im Schaufenster kaputt macht und unterbricht. Aber ich hoffe nicht, dass es soweit kommt, denn die Auftritte der Bands am Feitag und Samstag sollen ja auch nur bis spätestens 22.00 Uhr gehen und da in der ganzen Stadt ja sowieso das Essen Original gefeiert wird dürften wir auch niemanden belästigen.
Letztes Jahr war die Bühne (Reflektion Dark) im Nachhinein und schon während der Veranstaltung nicht unbedingt das Beste. Was gedenkt ihr, mit den neuen Menschen, die dahinter stehen, besser zu machen?
Auf dem Essen Originell spielen mit Temple of Twilight und Atomic Neon zwei Bands die auch letztes Jahr auf der Dark Reflection Bühne aufgetreten sind. Also so schlecht, wie manche behaupten, kann es im letzten Jahr gar nicht gewesen sein. Ich persönlich war im letzten Jahr mehr an der Turock Bühne und wenn ich mal an der Dark Reflection Bühne war, hatte ich nichts zu bemängeln. Ich weiß zwar durch meinen Essen Originell Partner Dirk Bussler, dass nicht alles ganz reibungslos ablief und dass es z.B. auch technische Probleme gab, aber es gab trotzdem mehr als genug Leute die Spaß hatten und gefeiert haben. Außerdem muss man bedenken, dass es im letzten Jahr die Dark Reflection Bühne das erste Mal gab und aller Anfang ist schwer. Aber man lernt ja dazu und dass dieses Jahr die Technik wegen Regen in den Steckdosen ausfällt kann ja schonmal nicht passieren, da die Technik nicht draußen, sondern drinnen im Schaufenster des Leo Store steht :-) Alle Beteiligten geben ihr Bestes und wir werden versuchen, das Beste aus der Schaufenster Situation zu machen.
Ihr sagt, der Zusammenschluss hat ohne finanziellen Gedanken stattgefunden und soll eine Protestaktion wegen des Ausschlusses von Subkulturen vom Essen Original sein. Wie wichtig ist euch der Gedanke dazu zu gehören und ist dies nicht ein Widerspruch zum Begriff der Subkultur?
Ich denke es kommt darauf an wie man den Begriff Subkultur für sich selber definiert. Für mich ist eine Subkultur ein Teil einer ganzen Kultur der einfach etwas anders ist. Im Ruhrgebiet zählen ja z.B. die Zechen zur Kultur. Und so wie die Zechen zum Ruhrgebiet gehören so gehören auch unsere bereits angesprochenen Szenen dazu. Wir sind einfach nicht wegzudenken. Eine Subkultur ist für mich ein Teil des ganzen, der sich einfach etwas anders darstellt als der Großteil. Wir laufen zum Beispiel optisch anders rum und hören andere Musik als das angepasste Publikum welches auf dem Essen Original erwünscht ist. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir nicht zur Stadt Essen oder zum Ruhrgebiet gehören.
Wie habt ihr zueinander gefunden?
Das war gar nicht schwer, denn wir waren im Prinzip ja schon vorher miteinander verbunden, da wir alle sehr enttäuscht über den Ausschluss vom Essen Original waren. Ich bin an einem Tag in den Leo Store in Essen gegangen und mit Dirk und Rainer ins Gespräch gekommen. Ich habe sie auf die Dark Reflection Bühne angesprochen und gefragt wie sie dazu stehen, dass es dieses Jahr keinen Szene Bühnen mehr gibt. Da haben wir ganz schnell gemerkt dass wir die gleiche Einstellung zu dem Thema haben und ich habe vorgeschlagen dass wir uns zusammentun und irgendetwas unternehmen müssen um unserem Protest Ausdruck zu verleihen. Als wir überlegt haben wer uns noch unterstützen könnte haben Dirk und Rainer sofort den Kontakt zu Marika und Melanie hergestellt, da sie aus früheren Gesprächen mit ihnen wussten, dass die beiden genau so denken wie wir. So einfach entstand das Bündnis Essen Originell und zusammen haben wir dann alle weiteren Ideen gesammelt.
Welche musikalische Bandbreite gibt es an dem Abend? Gibt es eine Art ?Aftershow?-Party?
Wir haben die volle Bandbreite von Rock und Punk über elektronische Klänge bis hin zu Gothik. Kommt einfach vorbei und feiert mit! Das wird ein riesen Spaß! Anschliessend findet man garantiert noch etwas zum weiter feiern, denn Läden wie das Nord, Turock oder Panic Room haben garantiert noch auf.
Vielen Dank für Deine Zeit und für das Interview. Viel Erfolg bei diesem Unternehmen.
Ich danke dir für die Chance mich zu äussern und hoffe, dich und so viele Leute wie möglich am Samstag zu sehen! Kommt alle zur Viehofer Strasse!
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